Abiball

„Abiball“ von Gwyneth Minte (2011)

Achtung, Achtung, das hier wird ein Verriss. Ich halte ja eigentlich nichts davon, meinen Ärger im Internet loszuwerden, aber manchmal muss ein bisschen Hass einfach sein. Bevor ich aber so richtig loslege, erläutere ich vielleicht erst einmal die Rahmenbedingungen dieser wenig wohlwollenden Rezension:

Abiball war ein Re-Read für mich. Ich habe es mir wahrscheinlich kurz nach der Veröffentlichung gekauft, also so 2011 oder 2012, als ich im besten Jugendbuchalter gewesen bin. Und ich bin mir natürlich darüber im Klaren, wie gefährlich Re-Reading und Re-Watching sein kann… Nostalgie ist schön und gut, aber manchmal wird man eben enttäuscht – und das ist ja auch okay. Dieses Risiko muss sein. Mit Abiball verhält es sich aber nun so, dass ich das Buch sicher dreimal oder so gelesen habe und es nie total toll fand, aber irgendwie doch… einigermaßen spannend. Und ganz gut zu lesen, leicht wegzulesen eben. Nach meinem eigenen Abi hat die Faszination am Thema Abiball dann logischerweise abgenommen. Und letzte Woche, ziemlich genau fünf Jahre nach meinem Abi, habe ich das Buch dann wieder in die Hand genommen. Und echt gekämpft.

Dieser Verriss enthält inhaltliche Spoiler. Warum auch nicht. Also falls jemand das Buch hier unbedingt noch lesen und sich die Spannung erhalten will… bitte wegklicken. Dankeschön.

Ich bin kein Weichei, wenn es um toxische Beziehungen geht. Ob es um wirklich romantische oder freundschaftliche oder familiäre Beziehungen geht, egal, ich kann mir das in literarischer oder filmischer Form jederzeit zu Gemüte führen, ohne einen Schreikrampf zu kriegen. Ich habe mir sogar vor Kurzem nochmal alle Twilight-Filme hintereinander weg angeguckt. Ohne mit der Wimper zu zucken. Das soll nur mal so dazugesagt werden. Aber Abiball ist von vorne bis hinten eine Katastrophe, was das Weltbild angeht, das dem jugendlichen Publikum da vermittelt werden soll. Oder einfach nur präsentiert wird, Vermittlung klingt wieder so nach heftigem pädagogischen Auftrag.

Die Hauptfigur, Sara, ist unsympathisch, selbstgefällig und hält sich dabei für ganz wunderbar unabhängig, erwachsen und über den Dingen stehend. Alle Figuren sind Klischees – und handeln auch so. Eine Jugend, in der Sex und Liebe und die stetige Suche nach einem „Mann“ keine Rolle spielt, eine solche Jugend kann es für die Figuren des Romans nicht geben. Es muss immer geflirtet werden. Es muss immer von Männern gesprochen werden. Es muss immer ein zackiger, pseudo-selbstbestimmer Kommentar auf den Lippen liegen. Und natürlich bekommt die kluge Vroni am Ende den jungen, attraktiven Mathelehrer ab, die etwas pummelige, blonde Vicky wird von einem türkischstämmigen Bruder einer Mitschüler umschwärmt und Sara, die geliebte Protagonistin des Romans, hat natürlich die Wahl zwischen zwei Männern. Am Ende des Abiballs hat sie leidenschaftlichen Sex in einem Kleinwagen und bekommt einen Heiratsantrag. Außerdem geigt sie natürlich all ihren ungeliebten Mitschülern mal so richtig die Meinung. Die unsympathischen Randfiguren wie der sexistische Sören, die eingebildete Desiree und die dumme Wiebke erleben keine Entwicklung. Die Lehrer sind entweder einigermaßen cool oder direkt Witzfiguren, die alle zu viel trinken oder irgendwelche psychischen Probleme haben, über die man sich lustig machen kann, weil es sind ja Lehrer. Keine Menschen.

Die einzigen Figuren, die so ein bisschen mehr als ein Gesicht haben sind Lasse, ein „love interest“ von Sara – alias „ihr aktueller Freund, der quasi den ganzen Abend nicht auftaucht und den sie auch gar nicht mal so gerne hat, aber es ist halt schön mit ihm Sex zu haben und er kann gut kochen, er ist ja so besonders und schon erwachsen“ – und Saras Eltern, die natürlich spießig und konservativ sind und ihre ganz eigenen Probleme haben.

Hach. Alleine diese Übersicht über die Figuren abzutippen, macht mich irgendwie schon wieder ein bisschen zu wütend. Ich meine, Klischees sind schön und gut, Jugendbücher dürfen auch gerne nach einem gewissen Muster ablaufen und so ein bisschen Teenie-Pathos, das ist auch immer nett, aber an Abiball ist gar nichts nett. Das Bild, das dort von dem Großereignis Abiball und all seinen Teilnehmern entworfen wird, ist schlicht und ergreifend ein hässliches Bild. Toxisch und überzogen. Schon als jugendliche Leserin bin ich nicht so ganz überzeugt gewesen, aber nicht einmal zehn Jahre später liest sich das Buch einfach nur noch unangenehm. Es ist normal, dass Bücher und gerade Jugendbüchern altern, aber so schnell sollte es nicht gehen. So unfassbar unerträglich sollte das alles nicht sein. 2011 hin oder her.

The Lying Game #1

„The Lying Game – Und Raus Bist Du“ von Sara Shepard (2010)

Nachdem ich angefangen habe, die Pretty Little Liars-Reihe von der Autorin zu verschlingen (eine ausführliche Besprechung kommt noch, sobald ich komplett durch bin, aktuell habe ich zehn von sechzehn Bänden gelesen und nein, ich mache keine halben Sachen), hat mich eine fürsorgliche Freundin mit ihrer anderen Buchreihe bekannt gemacht. Anders als bei Pretty Little Liars ist mir bei The Lying Game die Serie nicht bekannt gewesen – und ich habe mich auf das große Unbekannte eingelassen…

Worum geht es?

Seit ihrer frühen Kindheit wird Emma von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht, macht kleine Jobs, um Geld fürs College zu sparen und hat gelernt, sich in kürzester Zeit auf ein neues Umfeld einzustellen. Zwei Wochen vor ihrem achtzehnten Geburtstag entdeckt sie durch Zufall ein Video von einem Mädchen, das erwürgt wird. Und genauso aussieht wie sie selbst. Nach einigen Nachforschungen findet Emma heraus, dass sie eine Zwillingsschwester hat, die ein deutlich glamouröseres Leben führt als sie selbst. Doch als Emma der Einladung ihrer Schwester in die beschauliches Kleinstadt Tucson folgt, merkt sie schnell, dass nicht alles so perfekt ist wie es auf dem Facebook-Profil ihrer Schwester ausgesehen hat. Zur Begrüßung wird Emma von den Freundinnen ihrer Schwester und ominösen Drohungen empfangen … und schnell wird klar, dass es ein entscheidendes Problem mit dem Leben der fabelhaften Sutton Mercer gibt: es ist bereits vorbei. Und irgendjemand möchte, dass Emma ihren Platz einnimmt. Denn wo keine Leiche ist, da gab es auch keinen Mord. Oder?

Read it or eat it?

Die Geschichte wird aus Emmas Perspektive erzählt – und zugleich von Sutton kommentiert. Dieser narrative Kniff ist zuerst ein wenig gewöhnungsbedürftig, zeigt aber bald seine Stärke. Emma lernt die Welt der verschwundenen Sutton neu kennen – und Sutton beobachtet Emma dabei und versorgt den Leser ab und an mit Erinnerungen aus ihrer nicht ganz untadeligen Vergangenheit, die vermeintliche Hinweise darauf geben, wer sie ermordet hat. Sutton weiß nicht mehr, wie sie gestorben ist – und Emma möchte es herausfinden. Suttons Freundinnen, ihr Freund, ihre Familie, alle sind verdächtig und der Leser muss genau wie Emma bewerten, wem er vertrauen kann und wem nicht.

Das Setting von The Lying Game ist den Stammlesern von Shepard altvertraut: eine kleine Stadt, eine Gruppe gemeiner Mädchen und viele viele Geheimnisse. Im Gegensatz zu Pretty Little Liars gibt es allerdings deutlich weniger Handlungsstränge und nur eine richtige Perspektive, wodurch die Geschichte wesentlich zielführender erzählt wird. (Wahrscheinlich gibt es deshalb von der einen Reihe sechzehn Bände und von der anderen sechs.) Emma ist eine unbelastete, beinahe schon unbedarfte und deswegen stellenweise naive Erzählerin (ich persönlich warte noch auf ihren Durchbruch), die versucht die dunklen Abgründe ihrer Zwillingsschwester zu ergründen. Verglichen mit Emma scheint Sutton nämlich zu Lebzeiten ein regelrechtes Biest gewesen zu sein, auch wenn sie im Jenseits nichts mehr davon weiß und nur das vage Gefühl hat, dass sie selbst an ihrem Tod vielleicht nicht ganz unschuldig sein könnte. Die Unterschiede zwischen Emma und Sutton sind anfangs klar und deutlich gezeichnet, aber als hoffnungsvoller Leser glaubt man natürlich daran, dass die Klischees bald schwinden und die Grenze zwischen Schwarz und Weiß verwischt wird…

Ich sehe Potenzial – und muss der Übersetzerin ein großes Kompliment aussprechen. Es mag daran liegen, dass The Lying Game und die deutsche Jugendsprache seiner Übersetzung ein paar Jahre weniger auf dem Buckel haben, aber Violeta Topalova hat sich meiner bescheidenen Meinung nach gesteigert. Ich hab nur ein oder zweimal zusammengezuckt, weil ein Begriff irgendwie echt „out“ war.

Wer „The Lying Game – Und du bist raus“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Buchreihen in diesem Stil, von denen es sicherlich zahlreiche gibt, sodass ich hier nur meine drei aktuellen Favoriten nenne: Gossip Girl und It Girl von Cecily von Ziegesar und natürlich die endlose Saga über die kleinen Lügnerinnen von Sara Shepard herself.

Pretty Little Liars #1

„Pretty Little Liars – Unschuldig“ von Sara Shepard (2006)

Mit der Serie „Pretty Little Liars“ verbindet mich eine kleine Hassliebe – ich kann aus dem Stehgreif gleich mehrere Dinge nennen, die ich daran einfach nur furchtbar fand (zu lang, zu verworren, zu viele Familiengeheimnisse, zu viele merkwürdige Auflösungen, die keine waren … zu viele schwarze Kapuzenpullover, chrm), aber nichtsdestotrotz habe ich die Serie bis zum Ende angesehen. Sieben Staffeln. Pro Staffel immer rund 20 Folgen. Jede Folge gestreckt auf 40-45 Minuten. Das ist nicht unbedingt wenig Lebenszeit, aber ich bin irgendwie trotz allem gut unterhalten gewesen (und ich wollte wissen wie es ausgeht, den Wikipedia-Artikel zu lesen wäre viel zu einfach gewesen) … also warum nicht noch ein bisschen mehr Lebenszeit an Aria, Emily, Spencer und Hanna verschwenden? Warum nicht die Romanvorlage lesen? Auch wenn ich weiß wie es ausgeht. (Das habe ich dann leider doch auf Wikipedia gelesen und obwohl das über ein Jahr her ist, hat sich des Rätsels Lösung in mein Gehirn eingebrannt, während ich schon nicht mehr weiß, was ich vorgestern gegessen habe. Toll wie die Neuronen da oben funktionieren.)

Also worum geht es?

Die Geschichte beginnt damit, dass Alison DiLaurentis spurlos verschwindet. Alison ist das Zentrum einer Clique von verwöhnten Siebtklässlerinnen, die in der fiktiven Kleinstadt Rosewood in der Nähe von Philadelphia leben und in der hochschicken Vorstadt zu viel trinken, zu viel rauchen und überhaupt zu viele Dinge heimlich tun. Als Alison verschwindet, verschwindet auch die Person, die alle Geheimnisse zu kennen scheint – und selbst obendrein einen ganzen Geschenkkorb mit ihren eigenen Intrigen füllen könnte. Die vier Freundinnen, die übrig bleiben – die eben bereits namentlich genannten Grazien: Aria, Emily, Spencer und Hanna – leben sich nach und nach auseinander. Aus der immer schon leistungsorientierten Spencer wird eine überorganisierte, alleskönnende Vize-Schulsprecherin, aus der pummeligen Hanna wird das neue It-Girl der Schule, während Emily sich auf ihre halbherzigen „Leidenschaft“, das Schwimmen, fokussiert und Aria mit ihrer Familie nach Island gezogen ist. Drei Jahre nach Alisons verschwinden kehrt auch Aria nach Rosewood zurück und schon bald haben die vier so unterschiedlichen Mädchen eine Gemeinsamkeit: sie werden erpresst. Bedrohliche SMS und Mails erreichen sie, jemand scheint all ihre alten und neuen Geheimnisse zu kennen… die Nachrichten sind unterzeichnet mit einem schlichten A. – ein Buchstabe, den alle Zuschauer der Serie irgendwann leidgeworden sind. Denn früher oder später wird sich alles um diese eine Frage drehen … wer ist A? Alison? Anonyma?

Read it or eat it?

Der erste Band der „Pretty Little Liars“-Reihe entspricht ziemlich genau der ersten Folge der Serie, wer also den Anfang der Show vielversprechend fand, könnte hier durchaus glücklich werden … aber man muss nicht mit Überraschungen rechnen. Erstmal. Für all jene Leser, die sich von der Serie ferngehalten haben, gibt es zunächst ein paar saftige Klatscher in Sachen Jugendsprache der 2000er … in deutscher Übersetzung. Ganz schön gruselig. Einige Stichworte zur Kostprobe: „Tusnelda“, „Nulpe“, „leckerer Freund“, „Treo“. Wer jetzt schon irgendwas nachschlagen musste, wird sich am ersten Band die Zähne ausbeißen … oder sich totlachen. Die Übersetzung der deutschen Erstaufgabe ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ganz ohne Fremdscham lässt sich der Spaß nicht lesen, aber es ist eben trotzdem ein Spaß. Falls man sich an oberflächlichen, klischeeverhangenen, pseudo-mystery, hyperamerikanischen Jugendromanen mit explizit weiblichem Zielpublikum erfreuen kann. Und ich kann das. Aber so was von.

Mir persönlich hat es außerdem viel Freude gemacht zu sehen wie typische Motive aus „klassischen“ Romanen und „Blockbustern“ verwendet werden: Die Handlungsstränge werden zum Großteil durch das Verschwinden oder Auftauchen bestimmter Personen eingeleitet. Der anonyme Erzähler beziehungsweise die anonyme Erzählerin, A., der beziehungsweise die am Anfang und am Ende des Buches zu Wort kommt. Die Fassade einer heilen amerikanischen Vorstadt. Die typischen Krisen von Teenie-Mädchen. Die überzeichneten Abgründe von Teenie-Mädchen. Das Rad wurde hier wirklich nicht neu erfunden, aber es dreht sich trotzdem ganz fröhlich.

Stilistisch ist der Auftakt der Reihe wirklich nicht allzu anspruchsvoll und das Vokabular der deutschen Übersetzung ist nichts für Leser mit einem empfindlichen Sprachgefühl. Die Figuren sind nicht zu simpel, aber auch nicht so komplex wie sie sich darstellen wollen. Es werden mehrere Handlungsstränge nebeneinander her gesponnen, die sich wenigstens im ersten Band noch nicht richtig ineinander gefügt haben … aber mal ehrlich, am Ende des Tages wollen wir doch alle nur wissen, wer A. ist, oder? (Nur ein Scherz. Es gibt so viel mehr da rauszuholen. Ich lebe für den Trash-Faktor.)

Keine uneingeschränkte Leseempfehlung … aber für Fans der Serie und Freunde der leichten Unterhaltung ist „Pretty Little Liars“ sicherlich nicht der schlechteste Lesestoff. Ich für meinen Teil werde weiterlesen und womöglich noch einmal eine allumfassende Rezension schreiben, wenn ich am Ende der Buchreihe angelangt bin.

Wer „Pretty Little Liars – Unschuldig“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Die „Gossip-Girl“-Romane von Cecily von Ziegesar. Ähnlicher Unterhaltungsfaktor. Ähnliches sprachliches Niveau. Ähnliche Fremdschäm-Momente. Identische Zielgruppe. (Here I am.)
  • „Nur eine Liste“ von Siobhan Vivian. Acht Mädchen mit acht Geheimnissen. Eine Liste jenseits von Gut und Böse. (Stichwort Hot or Not). Und eine Krone für die (Prom-)Königin.
  • „Von wegen Liebe“ von Kody Keplinger. Weniger Intrigen. Weniger Pseudo-Mystery-Momente. Aber dasselbe High-School-Feeling.
  • Und für alle, die den ultimativen Abgrund suchen: „Tagebuch eines Vampirs“/ „The Vampire Diaries“ von Lisa J. Smith. Auf dem Niveau, das diese Serie gegen Ende aller Staffeln erreicht, als allen die Ideen ausgegangen sind, startet die Buchvorlage ab dem zweiten Band. Es ist ein Fest. Ich habe bei Band 5 kapituliert. So viel zum Thema Leidensfähigkeit.

Jugend ohne Gott

„Jugend ohne Gott“ – Ödön von Horváth  (1937)

Jugend ohne Gott hat aufgrund seines Titels zu mir gefunden. Weil es einfach spannend klang – und weil es (immer diese Verfilmungen!) vor ein paar Jahren mal einen Film gab, der denselben Titel hatte und den ich auf gar keinen Fall sehen wollte. Beim Lesen hat es sich direkt ein bisschen nach Schullektüre angefühlt, aber in einem guten Sinne. Jugend ohne Gott ist ein Buch über eine Schulklasse in der Zeit des Nationalsozialismus. Es ist ein Buch über Jugendliche und für Jugendliche – aus der Perspektive eines Lehrers. Klingt vielleicht zuerst merkwürdig, funktioniert aber.

Worum geht es?

Der Lehrer ist unglücklich über seine Schüler. Sie schreiben in ihren Aufsätzen nur noch das, was im Radio gesagt wird und denken nicht mehr selbstständig. Sie wollen Maschinen sein, keine Menschen. Auch der Staat will, dass aus den Jungen einsatzfähige Kampfmaschinen werden und schickt sie deshalb mit ihrem Lehrer in ein Ausbildungslager. Dort sollen sie lernen zu schießen und in der freien Natur zurechtzukommen. Als der resignierte Lehrer das Tagebuch eines Schülers liest, den er noch nicht verloren glaubt, eskaliert die Situation. Der Tagebuchschreiber droht jedem Unbefugten, der seine Aufzeichnungen liest, mit dem Tod.

Read it?

Jugend ohne Gott gibt einen beklemmenden, fesselnden Einblick in das Schulklima unter dem Regime der Nationalsozialisten und geht dabei trotzdem sehr subtil vor. Das Verhältnis zwischen dem Lehrer und seinen Schülern und die Fremdbestimmtheit der Jugendlichen werden sensibel und trotzdem kein bisschen vorsichtig erzählt. Der Leser wird durch das Handeln des Lehrers auch ein Stück weit gezwungen, sich selbst zu hinterfragen und darüber nachzudenken wie wichtig und riskant es sein kann, die Wahrheit zu sagen.

Wer „Jugend ohne Gott“ mag, liest vielleicht auch gerne:

  • Herr der Fliegen von William Golding. Eine einsame Insel, eine Gruppe Jungs, die Krisen menschlicher Zivilisation in einem Mikrokosmos. Ebenfalls potenzielle Schullektüre.
  • „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller. Weil Teller vielleicht noch drastischer zeigt wie aus einer Mücke ein Elefant werden kann. Die Eskalation von Gewalt in einem Klassenverbund zeigen beide Romane auf wenigen Seiten und mit einer unfassbaren Wucht.