Der Goldene Kompass

„Der Goldene Kompass“ von Philip Pullman (1995)

Fantasy und ich, das ist so eine Sache für sich. Ich liebe die Fantasy-Reihen, mit denen ich aufgewachsen bin und ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Harry-Potter-Bücher gelesen habe oder die beiden Vampir-Universen von Stephenie Meyer oder Lynn Raven verschlungen habe, aber wenn es darum geht, mich auf ein neues Fantasy-Universum einzulassen, dann bin ich sehr zögerlich. Woran genau das liegt, weiß ich gar nicht, es ist nämlich nicht so, als wäre ich dem Genre entwachsen, aber irgendwie messe ich jedes neue Buch an meinen persönlichen Klassikern. Und wie viele Welten sind schon so gut gemacht wie Mittelerde oder Narnia?

Doch im Rahmen der „Arbeit“ an meinem „Regal ungelesener Bücher“ habe ich mich nach Jahren des Aufschiebens mal wieder an den Auftakt einer Fantasy-Reihe gewagt. Ich fand schon immer, dass His Dark Materials ein wahnsinnig toller Titel ist – und doch habe ich lange nicht kapiert, dass Der Goldene Kompass und dieser tolle Titel etwas miteinander zu tun haben. Aber die deutsche Übersetzung des Originaltitels Northern Lights ist auch wahrlich keine Glanzleistung. Überhaupt ist es ein einziger Unsinn, denn es geht nicht mal wirklich um einen Kompass. Das hat mich schon verwirrt, als ich vor etwas mehr als zehn Jahren die wenig gerühmte Verfilmung dieses Buches angesehen habe, das mich dann in der letzten Woche echt unvorbereitet umgehauen hat.

Der Goldene Kompass präsentiert „eine Welt, die der unseren sehr ähnlich ist“ und die sich aber doch in einigen wesentlichen Dingen von der sogenannten Realität unterscheidet. Die Weltkarte und die Aufteilung der Kontinente sind nicht ganz fremd, aber eben doch etwas anders. Menschen haben Daemonen an ihrer Seite – Gestaltwandler, die irgendwie so was wie ihre sprechende, personalisierte Seele und ein absolutes Heiligtum sind. Und es gibt sprechende Bären. Panzerbären. Und ganz ehrlich, die Panzerbären waren für mich das absolute Highlight! Auch die anderen Wesen und Völker und Orte, die in dem Buch vorgestellt werden, sind gut ausgedacht, aber die Panzerbären und ihr Königreich Svalbard waren einfach nur großartig! Die Haupthandlung selbst war auch erstaunlich gut gemacht. Anfangs war ich ein bisschen… na ja, nicht gelangweilt, aber eine zehnjährige, weibliche Heldin, die kaum irgendwelche Entscheidungen selbstständig trifft, sondern eher so durch das Abenteuer schlingert und erstmal aufwendig gemacht erfährt, wer ihre leiblichen Eltern sind… ich fand es ein bisschen wenig originell. Und am Ende hab ich mich gleich dafür geschämt, weil Lyra irgendwie doch ein ziemlich gut konstruierter Charakter war. Weil die ganze Figurenkonstellation überhaupt ziemlich wohldurchdacht ist.

Obwohl ich so meine Zweifel daran habe, dass His Dark Materials auf mich persönlich so einen starken Eindruck machen werden die Harry Potter oder Der Kuss des Dämons (ja, es ist eine Schande, weil Philip Pullman der um Welten bessere Autor ist!) oder Herr der Ringe, habe ich den festen Vorsatz, mich auch mit dem Rest der Trilogie auseinanderzusetzen. Und mir zum ersten Mal seit Jahren aus freien Stücken wieder Fantasy-Bücher zu kaufen. Für die frühkindliche Prägung durch die Reihe ist es zwar zu spät, aber vielleicht wird es mal wieder Zeit, sich so richtig auf eine gut gebaute Welt mit eigenen Regeln einzulassen. Außerdem ist Der Goldene Kompass sowieso alles andere als ein Kinderbuch. Das ist auch nur wieder so ein Missverständnis, dem ich erlegen gewesen bin.

Der Schüler Gerber

„Der Schüler Gerber“ von Friedrich Torberg (1930)

Es ist schon ein paar Jahre her, seitdem ich im Filmraum meiner Schule gesessen und mit meinem Pädagogik-Kurs „Der Schüler Gerber“ angesehen habe – und ich war beim Lesen wirklich sehr überrascht, wie präsent mir einige Szenen und Figuren doch noch waren.

Die Prämisse des Buchs ist ziemlich klar. Da ist Kurt Gerber, der in einem Jahr seine Matura-Prüfungen ablegen muss und da ist „Gott“ Kupfer, der gnadenlose Mathematik-Professor, der dafür lebt, Schüler scheitern zu sehen, die ihm persönlich gegen den Strich gehen. Der lebensfrohe, eigensinnige Kurt, der beim Gedanken an die Matura-Prüfungen nicht sofort in Panik ausbricht, ist ihm ein Dorn im Auge. Der Roman umfasst das letzte Schuljahr von Kurt und wechselt dabei immer mal wieder den Fokus. Meistens geht es freilich um den titelgebenden Schüler Gerber, aber der Leser erhält auch Einsicht in die Psyche von „Gott“ Kupfer höchstpersönlich und Kurts Langzeit-Schwarm Lisa. Die verschiedenen sozialen Komponenten von Kurts Leben werden förmlich seziert und alle miteinander in Verbindung gebracht. Kurts Schulfreunde, Lisa, Lisas Freunde, die auch zu Kurts Bekannten werden und Kurts Familie, all das ist nicht unabhängig von der heiligen Matura. Alle Fäden scheint „Gott“ Kupfer zwischenzeitlich in der Hand zu halten. Um Leben und Tod geht es schon, wenn Kurt daran denkt, wie sein Vater mit dem schwachen Herzen auf einen blauen Brief reagieren wird, den er sich eingehandelt hat. Und um Leben und Tod geht es dann aber auch wirklich. Das Thema Leistungsdruck und Schülerselbstmorde wird nie ein alter Hut sein und es ist doch irgendwie sehr unheimlich, wie Kurt binnen einen Jahres immer weiter zur Verzweiflung getrieben wird und schließlich den Lebensmut verliert. (Ist das ein Spoiler? Vielleicht, aber eigentlich ist schon beim Blick auf die Buchrückseite überdeutlich, wo das alles hinführen wird. Das Buch liest sich auch nochmal viel intensiver, wenn man weiß, was am Ende passiert. Ich weiß noch, dass ich es beim Film auch irgendwie gewusst habe… und trotzdem hat das Ende reingehauen.)

Also. Der Schüler Gerber. Die Studie eines jungen Mannes, dessen Schicksal letztendlich von seiner sozialen Rolle als Schüler auf fatale Weise bestimmt wird. Ich habe so annähernd zwei Wochen an dem Buch gelesen, das ist für meine Verhältnisse ein relativ langer Zeitraum für so ein nicht wirklich dickes Buch. Diese etwas längere Lesezeit ist nicht der Tatsache geschuldet, dass es langweilig oder langatmig gewesen wäre – ich glaube ehrlich gesagt, ich hab mich ein bisschen davor gedrückt, mich noch einmal mit Kurt Gerbers Untergang auseinanderzusetzen. Aber irgendwann war dann doch die Sog-Wirkung da und ich wollte das Schiff auch sinken sehen…

Eine Leseempfehlung für alle, die ihre Schullaufbahn schon hinter sich haben. Wer sich ohnehin als prüfungsängstlich beschreiben würde, der braucht vielleicht nicht noch zusätzlich den Film in Kurts Kopf, in dem so eine grausame, übermächtig erscheinende Einzelperson wie „Gott“ Kupfer zu einem unüberwindlichen Hindernis wird.

Zum Foto: Eine Aufnahme der Decke von meinem eigenen Abiball. Bisschen Galgenhumor muss sein.

Der Tod in Venedig

„Das Tod in Venedig“ von Thomas Mann (1911)

Thomas Mann hat seinen Ruf als einer der wichtigsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts zweifelsohne nicht zu Unrecht – und ich frage mich immer noch, wie ich es in fünf Jahren literaturwissenschaftlichem Studium geschafft habe, diesem Mann (unbeabsichtigt schlechtes Wortspiel, sorry) aus dem Weg zu gehen.

Nachdem ich im zarten Alter von 13 oder 14 Jahren die Verfilmung von Der Tod in Venedig gesehen und mich tödlich gelangweilt habe, ist mein Interesse an einer näheren Bekanntschaft mit dem Autor ehrlich gesagt auch eher… verhalten… gewesen. Man könnte auch sagen, ich habe ganz gehörigen Respekt vor Thomas Mann, das klingt etwas besser. Die Annäherung ist in langsamen Schritten erfolgt… ein Besuch im Thomas-Mann-Haus in Lübeck… die Lektüre von Klaus Manns Schlüsselroman Mephisto… und gestern habe ich mich dann überwunden und die Erzählung Der Tod in Venedig in die Hand genommen.

Bereits nach wenigen Sätzen habe ich festgestellt, dass ich nicht ohne Grund jahrelang so meine Bedenken hatte… die Sprache des eigentlich gar nicht so langen Textes ist extrem vielseitig, sehr kunstvoll geschliffen und das Vokabular, das in der Erzählung steckt, ist ganz beachtlich! Da hat jemand keine halben Sachen gemacht, sondern allen bewiesen, was für einen großen Wortschatz er hat. Und wie lang ein Satz doch werden kann, ohne grammatikalische Fehler aufzuweisen. Das Lesen war mühsam, anstrengend und trotzdem irgendwie… schön. Um die Sätze besser handhaben zu können, habe ich mir den kompletten Text Wort für Wort selbst vorgelesen. Das ist eine Lese-Technik, auf die ich nur zurückgreife, wenn es ernst ist. Wenn das Überspringen von einzelnen Wörtern absolut verhängnisvoll ist und dazu führt, dass ich den Absatz quasi nochmal neu anfangen kann. Ich glaube, das letzte Buch, das ich so konsequent laut gelesen habe, waren Goethes Wahlverwandtschaften…ja doch, das gehört definitiv in dieselbe Liga wie Der Tod in Venedig.

Zur Handlung gibt es gar nicht so viel zu sagen: Der Schriftsteller Gustav von Aschenbach unternimmt eine Reise in den Süden, kommt schließlich in Venedig unter und fühlt sich dort gar nicht mal so wohl. Doch in seinem Hotel ist auch eine polnische Familie abgestiegen… die einen schönen Jüngling, schöner noch als eine antike Statue weil menschlich, bei sich hat… und da ist es um Gustav von Aschenbach geschehen. Der Roman berichtet von dem Schicksal eines einsamen, faszinierten Menschen. Unseriöse Anmerkung: Als meine Mutter den Film zum ersten Mal sah, fragte jemand in den Raum hinein: „Wann macht er endlich den Jungen klar?“ – und was soll ich da noch hinzufügen?

Ich habe mich für die Erzählung als Einstieg in das Werk von Mann weniger wegen dieser einseitigen Liebesgeschichte (ich will es mal so nennen) entschieden, sondern wegen der unterschwelligen Stimmung, der Krankheit der Stadt Venedig. Die Instinkte des Protagonisten, der in der Stadt schlecht zu atmen glaubt und sich immer wieder zurück zum etwas abgelegenen Hotel flüchtet, täuschen ihn nämlich nicht: Der Tod geht um in Venedig, die indische Cholera hat den Weg bis ins Mittelmeer gefunden…

Vielleicht ist es ein wenig geschmacklos ausgerechnet jetzt gerade eine Erzählung zu lesen, in der eine Seuche im Mittelpunkt steht, aber mir kam das höchst passend vor. Und es ist doch mehr als spannend, dass auch vor über hundert Jahren jemand über das Verhalten einer Stadt geschrieben hat, die sich zwar um die Gesundheit ihrer Einwohner und Besucher sorgt, sich fortwährend desinfiziert und ihre Toten verbirgt, aber zugleich nicht ihre Einnahmen durch den Tourismus verlieren will und an ihrem wirtschaftlichen Kapitel hängt. Ich kann nur sagen: Für mich kam dieser Klassiker zur rechten Zeit – und vielleicht wage ich mich in naher Zukunft an ein wesentlich umfangreicheres Werk, ein Monument, von Thomas Mann: Der Zauberberg. Mein Ehrgeiz ist zumindest geweckt.

Friedhof der Kuscheltiere

„Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King (1983)

Egal wie lange ich auch nachdenke, mir fällt kaum ein produktiverer Autor als der König des Horrors ein. Pro Jahr veröffentlicht Stephen King gefühlt drei Bücher, die alle so dick sind, dass ich mich da erstmal einige Monate mental drauf vorbereiten muss. Warum ich mir dann kein frisches Werk von King gegriffen habe, sondern diesen alten Schinken? Ich weiß es selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass dieses Buch seit geraumer Zeit in meinem Regal steht und ich sowohl die alte als auch die neue Verfilmung dieses Horrorklassikers gesehen habe… es war also längst überfällig.

Und auch, wenn ich die Geschichte ja schon in zweierlei Varianten kannte, hat das Buch die übliche, hochfaszinierende King’sche Spannungskurve gehabt. Diese Kurve sieht meistens wie folgt aus: Das erste Viertel des Buches ist gut, ja, aber irgendwie liest es sich nicht so flott, etwas zäh, der Horror entfaltet sich langsam und ich kann das Werk auch gut mal ein paar Stunden/ Tage/ Wochen zur Seite legen. So im zweiten Viertel wird es dann intensiver und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich wie gebannt von der Geschichte bin und sie einfach nur noch zu Ende lesen will. Zu Ende lesen muss. Weil das kann doch nicht sein, dass es so ausgeht.

Was mich immer wieder an Stephen Kings Romanen besticht ist die gnadenlose Konsequenz, mit der eine schlimme Idee zu Ende gebracht wird. Es gibt mitunter Wendepunkte, ja, aber keine krassen Schockmomente wie man sie gerne bei Horrorfilmen hat. Wenn ich ein Buch von Stephen King aus der Hand lege, habe ich grundsätzlich das Gefühl, dass es schlimmer nicht hätte kommen können. Und dass es anders nicht hätte kommen können. Die Enden von Kings Romanen hinterlassen bei mir immer den Eindruck, das einzig mögliche – und möglichst grausame – Ende gewesen zu sein. Und das ist für mich der Qualitätsbeweis. Dafür quäle ich mich gerne mit langgezogenen, gut gemachten Expositionen.

Friedhof der Kuscheltiere – um hier auch mal etwas spezifisch zu werden – erzählt die Geschichte der Familie Creed. Louis Creed, ein typischer, amerikanischer Familienvater aus dem King-Baukasten (nicht auf dem Level von Jack Torrance, aber schon destruktiv und von sich selbst und überhaupt eingeschränkt in seinen Handlungsmöglichkeiten), nimmt eine Stelle als leitender Arzt am Universitätsklinikum in Maine an und zieht mit seiner Familie, bestehend aus Ehefrau, Tochter, kleinem Sohn und dem  Kater namens Winston Churchill, ins beschauliche Ludlow. Das Haus ist bildschön, die Garten unüberschaubar groß, die Nachbarn freundlich – doch leider führt eine Schnellstraße direkt an dem Grundstück vorbei, die tagsüber wie nachts von schweren Lastwagen befahren wird. Bereits bei ihrer Ankunft warnt der Nachbar von gegenüber, dass die Creeds gut auf ihren Kater aufpassen müssen und ihn besser kastrieren lassen, weil herumstromernde, neugierige Haustiere in der Gegend keine besonders hohe Lebenserwartung haben… aus diesem Grund gibt es, quasi auf dem Grundstück der Creeds, einen Friedhof, auf dem die Kinder der Stadt ihre pelzigen Lieblinge seit Jahrzehnten begraben.

Es kommt dann alles, wie es kommen muss. Kein Unglück wird ausgespart. Kein Potenzial wird verschenkt. Die menschlichen Abgründe nahezu aller Figuren werden ausführlich beleuchtet und man kann keinem vorwerfen, sich ohne Grund irrational und dumm zu verhalten. Das hebt den Roman von zahlreichen Genrefilmen ab – und rechtfertigt auch irgendwie die Dicke des Buches.

Mein neuer Favorit von King wird Friedhof der Kuscheltiere wahrscheinlich eher nicht, dafür ist die Konkurrenz zu stark und meine Kenntnis des Gesamtwerks des Mannes dann doch zu begrenzt. Aber da ich den guten Mister King aller Wahrscheinlichkeit nach um (hoffentlich!) ein paar Jahrzehnte überleben werde, kann ich eventuell eines Tages behaupten, alles von ihm gelesen zu haben und eine weise Entscheidung darüber treffen, welches Buch von ihm mein Lieblingsbuch ist. Und bis dahin kann ich einfach die Stunden genießen, in denen ich beim Lesen meine Fingernägel abkaue.

Zum Foto: Ja, das ist unsere alte Katze… und nein, sie ist auf dem Bild nicht schrecklich unfreundlich getroffen. Das Foto hat ihren Charakter schon ganz gut für die Ewigkeit festgehalten.

The Lying Game #1

„The Lying Game – Und Raus Bist Du“ von Sara Shepard (2010)

Nachdem ich angefangen habe, die Pretty Little Liars-Reihe von der Autorin zu verschlingen (eine ausführliche Besprechung kommt noch, sobald ich komplett durch bin, aktuell habe ich zehn von sechzehn Bänden gelesen und nein, ich mache keine halben Sachen), hat mich eine fürsorgliche Freundin mit ihrer anderen Buchreihe bekannt gemacht. Anders als bei Pretty Little Liars ist mir bei The Lying Game die Serie nicht bekannt gewesen – und ich habe mich auf das große Unbekannte eingelassen…

Worum geht es?

Seit ihrer frühen Kindheit wird Emma von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht, macht kleine Jobs, um Geld fürs College zu sparen und hat gelernt, sich in kürzester Zeit auf ein neues Umfeld einzustellen. Zwei Wochen vor ihrem achtzehnten Geburtstag entdeckt sie durch Zufall ein Video von einem Mädchen, das erwürgt wird. Und genauso aussieht wie sie selbst. Nach einigen Nachforschungen findet Emma heraus, dass sie eine Zwillingsschwester hat, die ein deutlich glamouröseres Leben führt als sie selbst. Doch als Emma der Einladung ihrer Schwester in die beschauliches Kleinstadt Tucson folgt, merkt sie schnell, dass nicht alles so perfekt ist wie es auf dem Facebook-Profil ihrer Schwester ausgesehen hat. Zur Begrüßung wird Emma von den Freundinnen ihrer Schwester und ominösen Drohungen empfangen … und schnell wird klar, dass es ein entscheidendes Problem mit dem Leben der fabelhaften Sutton Mercer gibt: es ist bereits vorbei. Und irgendjemand möchte, dass Emma ihren Platz einnimmt. Denn wo keine Leiche ist, da gab es auch keinen Mord. Oder?

Read it or eat it?

Die Geschichte wird aus Emmas Perspektive erzählt – und zugleich von Sutton kommentiert. Dieser narrative Kniff ist zuerst ein wenig gewöhnungsbedürftig, zeigt aber bald seine Stärke. Emma lernt die Welt der verschwundenen Sutton neu kennen – und Sutton beobachtet Emma dabei und versorgt den Leser ab und an mit Erinnerungen aus ihrer nicht ganz untadeligen Vergangenheit, die vermeintliche Hinweise darauf geben, wer sie ermordet hat. Sutton weiß nicht mehr, wie sie gestorben ist – und Emma möchte es herausfinden. Suttons Freundinnen, ihr Freund, ihre Familie, alle sind verdächtig und der Leser muss genau wie Emma bewerten, wem er vertrauen kann und wem nicht.

Das Setting von The Lying Game ist den Stammlesern von Shepard altvertraut: eine kleine Stadt, eine Gruppe gemeiner Mädchen und viele viele Geheimnisse. Im Gegensatz zu Pretty Little Liars gibt es allerdings deutlich weniger Handlungsstränge und nur eine richtige Perspektive, wodurch die Geschichte wesentlich zielführender erzählt wird. (Wahrscheinlich gibt es deshalb von der einen Reihe sechzehn Bände und von der anderen sechs.) Emma ist eine unbelastete, beinahe schon unbedarfte und deswegen stellenweise naive Erzählerin (ich persönlich warte noch auf ihren Durchbruch), die versucht die dunklen Abgründe ihrer Zwillingsschwester zu ergründen. Verglichen mit Emma scheint Sutton nämlich zu Lebzeiten ein regelrechtes Biest gewesen zu sein, auch wenn sie im Jenseits nichts mehr davon weiß und nur das vage Gefühl hat, dass sie selbst an ihrem Tod vielleicht nicht ganz unschuldig sein könnte. Die Unterschiede zwischen Emma und Sutton sind anfangs klar und deutlich gezeichnet, aber als hoffnungsvoller Leser glaubt man natürlich daran, dass die Klischees bald schwinden und die Grenze zwischen Schwarz und Weiß verwischt wird…

Ich sehe Potenzial – und muss der Übersetzerin ein großes Kompliment aussprechen. Es mag daran liegen, dass The Lying Game und die deutsche Jugendsprache seiner Übersetzung ein paar Jahre weniger auf dem Buckel haben, aber Violeta Topalova hat sich meiner bescheidenen Meinung nach gesteigert. Ich hab nur ein oder zweimal zusammengezuckt, weil ein Begriff irgendwie echt „out“ war.

Wer „The Lying Game – Und du bist raus“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Buchreihen in diesem Stil, von denen es sicherlich zahlreiche gibt, sodass ich hier nur meine drei aktuellen Favoriten nenne: Gossip Girl und It Girl von Cecily von Ziegesar und natürlich die endlose Saga über die kleinen Lügnerinnen von Sara Shepard herself.

Pretty Little Liars #1

„Pretty Little Liars – Unschuldig“ von Sara Shepard (2006)

Mit der Serie „Pretty Little Liars“ verbindet mich eine kleine Hassliebe – ich kann aus dem Stehgreif gleich mehrere Dinge nennen, die ich daran einfach nur furchtbar fand (zu lang, zu verworren, zu viele Familiengeheimnisse, zu viele merkwürdige Auflösungen, die keine waren … zu viele schwarze Kapuzenpullover, chrm), aber nichtsdestotrotz habe ich die Serie bis zum Ende angesehen. Sieben Staffeln. Pro Staffel immer rund 20 Folgen. Jede Folge gestreckt auf 40-45 Minuten. Das ist nicht unbedingt wenig Lebenszeit, aber ich bin irgendwie trotz allem gut unterhalten gewesen (und ich wollte wissen wie es ausgeht, den Wikipedia-Artikel zu lesen wäre viel zu einfach gewesen) … also warum nicht noch ein bisschen mehr Lebenszeit an Aria, Emily, Spencer und Hanna verschwenden? Warum nicht die Romanvorlage lesen? Auch wenn ich weiß wie es ausgeht. (Das habe ich dann leider doch auf Wikipedia gelesen und obwohl das über ein Jahr her ist, hat sich des Rätsels Lösung in mein Gehirn eingebrannt, während ich schon nicht mehr weiß, was ich vorgestern gegessen habe. Toll wie die Neuronen da oben funktionieren.)

Also worum geht es?

Die Geschichte beginnt damit, dass Alison DiLaurentis spurlos verschwindet. Alison ist das Zentrum einer Clique von verwöhnten Siebtklässlerinnen, die in der fiktiven Kleinstadt Rosewood in der Nähe von Philadelphia leben und in der hochschicken Vorstadt zu viel trinken, zu viel rauchen und überhaupt zu viele Dinge heimlich tun. Als Alison verschwindet, verschwindet auch die Person, die alle Geheimnisse zu kennen scheint – und selbst obendrein einen ganzen Geschenkkorb mit ihren eigenen Intrigen füllen könnte. Die vier Freundinnen, die übrig bleiben – die eben bereits namentlich genannten Grazien: Aria, Emily, Spencer und Hanna – leben sich nach und nach auseinander. Aus der immer schon leistungsorientierten Spencer wird eine überorganisierte, alleskönnende Vize-Schulsprecherin, aus der pummeligen Hanna wird das neue It-Girl der Schule, während Emily sich auf ihre halbherzigen „Leidenschaft“, das Schwimmen, fokussiert und Aria mit ihrer Familie nach Island gezogen ist. Drei Jahre nach Alisons verschwinden kehrt auch Aria nach Rosewood zurück und schon bald haben die vier so unterschiedlichen Mädchen eine Gemeinsamkeit: sie werden erpresst. Bedrohliche SMS und Mails erreichen sie, jemand scheint all ihre alten und neuen Geheimnisse zu kennen… die Nachrichten sind unterzeichnet mit einem schlichten A. – ein Buchstabe, den alle Zuschauer der Serie irgendwann leidgeworden sind. Denn früher oder später wird sich alles um diese eine Frage drehen … wer ist A? Alison? Anonyma?

Read it or eat it?

Der erste Band der „Pretty Little Liars“-Reihe entspricht ziemlich genau der ersten Folge der Serie, wer also den Anfang der Show vielversprechend fand, könnte hier durchaus glücklich werden … aber man muss nicht mit Überraschungen rechnen. Erstmal. Für all jene Leser, die sich von der Serie ferngehalten haben, gibt es zunächst ein paar saftige Klatscher in Sachen Jugendsprache der 2000er … in deutscher Übersetzung. Ganz schön gruselig. Einige Stichworte zur Kostprobe: „Tusnelda“, „Nulpe“, „leckerer Freund“, „Treo“. Wer jetzt schon irgendwas nachschlagen musste, wird sich am ersten Band die Zähne ausbeißen … oder sich totlachen. Die Übersetzung der deutschen Erstaufgabe ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ganz ohne Fremdscham lässt sich der Spaß nicht lesen, aber es ist eben trotzdem ein Spaß. Falls man sich an oberflächlichen, klischeeverhangenen, pseudo-mystery, hyperamerikanischen Jugendromanen mit explizit weiblichem Zielpublikum erfreuen kann. Und ich kann das. Aber so was von.

Mir persönlich hat es außerdem viel Freude gemacht zu sehen wie typische Motive aus „klassischen“ Romanen und „Blockbustern“ verwendet werden: Die Handlungsstränge werden zum Großteil durch das Verschwinden oder Auftauchen bestimmter Personen eingeleitet. Der anonyme Erzähler beziehungsweise die anonyme Erzählerin, A., der beziehungsweise die am Anfang und am Ende des Buches zu Wort kommt. Die Fassade einer heilen amerikanischen Vorstadt. Die typischen Krisen von Teenie-Mädchen. Die überzeichneten Abgründe von Teenie-Mädchen. Das Rad wurde hier wirklich nicht neu erfunden, aber es dreht sich trotzdem ganz fröhlich.

Stilistisch ist der Auftakt der Reihe wirklich nicht allzu anspruchsvoll und das Vokabular der deutschen Übersetzung ist nichts für Leser mit einem empfindlichen Sprachgefühl. Die Figuren sind nicht zu simpel, aber auch nicht so komplex wie sie sich darstellen wollen. Es werden mehrere Handlungsstränge nebeneinander her gesponnen, die sich wenigstens im ersten Band noch nicht richtig ineinander gefügt haben … aber mal ehrlich, am Ende des Tages wollen wir doch alle nur wissen, wer A. ist, oder? (Nur ein Scherz. Es gibt so viel mehr da rauszuholen. Ich lebe für den Trash-Faktor.)

Keine uneingeschränkte Leseempfehlung … aber für Fans der Serie und Freunde der leichten Unterhaltung ist „Pretty Little Liars“ sicherlich nicht der schlechteste Lesestoff. Ich für meinen Teil werde weiterlesen und womöglich noch einmal eine allumfassende Rezension schreiben, wenn ich am Ende der Buchreihe angelangt bin.

Wer „Pretty Little Liars – Unschuldig“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Die „Gossip-Girl“-Romane von Cecily von Ziegesar. Ähnlicher Unterhaltungsfaktor. Ähnliches sprachliches Niveau. Ähnliche Fremdschäm-Momente. Identische Zielgruppe. (Here I am.)
  • „Nur eine Liste“ von Siobhan Vivian. Acht Mädchen mit acht Geheimnissen. Eine Liste jenseits von Gut und Böse. (Stichwort Hot or Not). Und eine Krone für die (Prom-)Königin.
  • „Von wegen Liebe“ von Kody Keplinger. Weniger Intrigen. Weniger Pseudo-Mystery-Momente. Aber dasselbe High-School-Feeling.
  • Und für alle, die den ultimativen Abgrund suchen: „Tagebuch eines Vampirs“/ „The Vampire Diaries“ von Lisa J. Smith. Auf dem Niveau, das diese Serie gegen Ende aller Staffeln erreicht, als allen die Ideen ausgegangen sind, startet die Buchvorlage ab dem zweiten Band. Es ist ein Fest. Ich habe bei Band 5 kapituliert. So viel zum Thema Leidensfähigkeit.

Sommerfest

„Sommerfest“ – Frank Goosen (2012)

Die Romane von Frank Goosen sind Bücher für eine bestimmte Zielgruppe. Je näher man am Ruhrgebiet dran wohnt, umso besser. Je näher man der 45 gekommen ist, ohne sich so richtig wie 45 zu fühlen, umso mehr Freude hat man an den Charakteren. Meine Kindheit kann ich zwar nicht gerade in den 1970er-Jahren in Bochum, Essen oder Duisburg verorten, aber trotzdem habe ich irgendwie Gefallen an dem Tonfall des Autors gefunden. Beim Lesen fühlt man sich immer so als würde man einem verschollenen Verwandten aus einer anderen Ecke von Nordrheinwestfalen zuhören und wenn man dann ein paar Dialektausdrücke doch irgendwie schon mal gehört hat, dann freut man sich. Ohne Grund.

Auf Goosens Bücher bin ich nach und nach aufmerksam geworden. Erst bin ich in der Buchhandlung daran vorbei gelaufen, dann gab es zwei Verfilmungen, die ich so am Rande mitbekommen habe und irgendwann stand ich dann da, hatte Radio Heimat in der Hand, hatte ein Kinoticket für Sommerfest gekauft und als ich dann in der Stadtbücherei vor dem Buchstaben G stand, dachte ich, warum denn nicht weitermachen? Sommerfest klingt auch ein bisschen cooler, ein bisschen altersentsprechender, als Raketenmänner und Vertrautes ist manchmal beruhigend. So viel zu meinen Rechtfertigungen, wie ich an ein Buch geraten bin, das mich irgendwie nicht wirklich zu seiner Zielgruppe zählen darf.

Worum geht es?

Stefan lebt seit zehn Jahren in München, führt eine halbwegs solide Beziehung und ist Schauspieler. Die Frage, ob man ihn denn kennen müsse, verneint er stets, denn er ist ja nur im Theater und bei kleinen Produktionen aktiv, die im Nachtprogramm versendet werden. Als Onkel Hermann stirbt, muss Stefan zurück in die Heimat. Heimat heißt in diesem Fall Omma Luise, Autobahnsperrung als Volksfestersatz, Jugendfreunde und Geschichten, die auf der Straße liegen. Und ein Wiedersehen mit Charlie, die Stefans Sandkastenliebe war und mit der es trotzdem irgendwie nie so richtig geklappt hat. Nägel mit Köpfen ist hier das Schlagwort.

Goosens Erzählstil lebt von seinem unschlüssigen, heimatverdrossenen und gleichzeitig nostalgischen Protagonisten. Stefans Faszination von der eigenen Heimat überwältigt ihn und schreckt ihn gleichzeitig ab. Er war lange genug weg, um zu verdrängen wie es wirklich ist, wenn man nie rausgekommen ist, aber nicht lange genug, um keine alten Kontakte mehr zu haben, die man erfolgreich aufwärmen könnte. Kleine Anekdoten aus dem Ruhrgebiet, regional gefärbte Kalendersprüche und die Figuren, die man gezwungenermaßen Charaktere nennen muss. Weil sie alle irgendwie Charakter haben. Weil es immer eine kleine Story gibt, ein paar Macken, die man auserzählen muss, ein paar Running Gags und weil man wirklich ganz genau hinschauen muss, um das liebevoll verhätschelte Klischee zu erkennen.

Die chronische Unentschlossenheit von Stefan wird erst auf den letzten Metern ein wenig anstrengend und das Mysterium des ewigen Hin und Her wird meiner Meinung nach kurz vor Schluss unnötig lange ausgereizt. Aber vielleicht spricht gerade das auch für die Geschichte, denn immerhin wird die große Aussprache von Stefan und Charlie von allen Charakteren herbeigesehnt. Ungeduldig gestimmt sind sie, ständig haken sie nach, schubsen Stefan in Richtung seiner Vergangenheit und hüllen sich in Schweigen, wenn Stefan versucht aus ihnen irgendetwas über Charlies Leben in den letzten zehn Jahren herauszubekommen.

Read it?

Stefan steht mit einem Bein in München und mit dem anderen Bein in seiner Heimatstadt. Diese Zerrissenheit macht die Geschichte aus und auch wenn man – wie ich –  irgendwann die Geduld verliert, ist es nicht so leicht, das Buch aus der Hand zu legen. Im Gegenteil, ich habe am Ende darauf gebrannt zu erfahren, ob es ein nostalgisches oder ein rationales Happy End mit einem bitteren Beigeschmack gibt.

Sommerfest relativiert die Idee eines klassischen Happy Ends. Ob Stefan sich für oder gegen Charlie, für oder gegen sein 30-jähriges Ich, das nach München geflüchtet ist, entscheidet, das ist irgendwie beides nicht das Wahre. Wenn man will, kann man immer ein Haar in der Suppe finden. Aber das ist dann auch wieder so ein Kalenderspruch.

Absolut lesenswert – das sind andere Bücher. Aber Spaß macht Sommerfest trotzdem. Besonders dann, wenn man einen Bezug zur A40, eine Omma Luise und genug Abstand zur eigenen Jugendliebe hat, um ein bisschen sentimental zu werden.

Wer „Sommerfest“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Der Junge muss an die frische Luft von Hape Kerkeling. Ähnliche Zielgruppe, aber etwas trauriger und weniger auf eine Liebesgeschichte fokussiert.
  • Radio Heimat oder andere Romane von Frank Goosen. In Radio Heimat liefert Goosen Fetzen aus dem Leben von vier Jugendlichen. Mit vielen Selterbuden, mit Spielervereinigung, Ommas und Oppas und allem, was man eben so braucht.
  • Unentschieden von Alexandra Maxeimer. Eine Geschichte darüber, dass „ein Funken“ manchmal auch nach zwei Jahrzehnten noch für einen gefühligen Brandherd sorgen kann.

You – Du wirst mich lieben

„You – Du wirst mich lieben“ von Caroline Kepnes (2015)

Eigentlich lese ich immer zuerst das Buch, ehe ich mir die Verfilmung anschaue, aber im Fall von „You – Du wirst mich lieben“ bin ich wirklich erst durch die Serie auf den Roman aufmerksam geworden. Und als ich gesehen habe, dass es schon einen zweiten Band gibt, während ich auf die zweite Staffel der Serie noch mindestens ein Jahr warten muss, gab es kein Halten mehr.

Worum geht es?

Joe Goldberg ist ein typischer New Yorker Buchhändler: er ist zynisch, er verurteilt die Käufe seiner Kunden und er weiß, dass die Kasse nur dann klingelt, wenn Stephen King einen neuen Bestseller veröffentlicht hat. Eine Universität hat Joe nie besucht und er verachtet Studenten, die keine echten Bücher mehr lesen, sondern Home-Soda-Firmen vom Geld ihrer Eltern gründen und Mädchen, die Salinger mit Nachnahmen heißen, sehr empfindlich sind und ihre beste Freundin wie sexualisierte Schoßhündchen behandeln. Genau diese beiden Hassobjekte sind der der „Freund“ und die beste Freundin von Guinevere Beck. Beck nennt sich eine Schriftstellerin, obwohl sie quasi nie schreibt, weil sie zu beschäftigt damit ist in der New Yorker Oberschicht zu bestehen, ihren Vaterkomplex mit Hilfe eines Therapeuten (der natürlich gar kein sexuelles Interesse an ihr hat, nicht doch) in den Griff zu kriegen und einfach „Autorin zu sein“. Beck ist die Hölle, aber das weiß Joe nicht, als sie zum ersten Mal in seinem Buchladen auftaucht und über seine Witze lacht. Joe verliebt sich und ist von Beck besessen, obwohl er immer wieder erkennt, dass sie belügt, betrügt und eine Person sein will, die sie nicht ist. Um Beck für sich zu haben und sie von allem zu befreien, was sie daran hindert so wundervoll zu sein wie sie seiner Meinung nach sein könnte, ist Joe bereit zu drastischen Mitteln zu greifen.

Read it?

Der Roman zeigt mit dem Finger auf die Schwächen der Generation, die gerade zwischen 20 und 30 ist, Instagram für das Maß aller Dinge hält und deshalb Fotos von ihrem Essen macht, anstatt es zu essen oder wenigstens erst abends darüber im Ernährungstagebuch zu schreiben. Es ist eine bösartige Sozialstudie bei der keiner so richtig gut wegkommt. Beck ist keine Traumfrau, Joe ist kein Sympathieträger und auch wenn man manchmal mit Joe lachen kann, verzweifelt man manchmal regelrecht an seinen Gedanken und seiner Sicht auf die Welt. Auch wenn für mich schon nach ein paar Seiten klar war, dass ich seine Faszination für Beck absolut nicht nachvollziehen kann, war es trotzdem seltsam mitreißend zu lesen wie Joe sich in seine Wunschträume reinsteigert und sich die Dinge zurechtlegt.

Wer „You – Du wirst mich lieben“ mag, liest vielleicht auch gerne:

  • die Gossip-Girl-Romane von Cecily von Ziegesar. Nicht nur, weil Joe in der Serie von einem der Hauptcharaktere aus der Show verkörpert wird, sondern weil Gemeinheit, Detailverliebtheit und Unterhaltsamkeit Hand in Hand gehen. Und weil eine Menge böses Blut fließt.
  • High Fidelity von Nick Hornby. Oder andere Bücher, in denen der eigenbrötlerisch-coole Verkäufer einer Buchhandlung/ eines Schallplattenladens/ einer Videothek/ etc. die Hauptfigur ist und von einem Mädchen besessen ist, das nicht so ist wie er dachte.
  • Voyeur von Simon Beckett oder Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith oder andere Geschichten über Besessene und Hochstapler, die sich ihre eigene Lebens- und Liebesgeschichten basteln.