Träum erst, wenn es dunkel wird

„Träum erst, wenn es dunkel wird“ von Daphne DuMaurier

Träum erst, wenn es dunkel wird ist zugleich der Titel einer einzelnen Kurzgeschichte als auch einer Sammlung von Kurzgeschichten. Ich habe mich durch den ganzen Sammelband gelesen, weil ich vor zwei Jahren die sogenannten Meister-Erzählungen von Daphne DuMaurier gelesen habe und sehr begeistert gewesen bin. Wie ich diese deutschen Ausgaben finden soll und wer für diese Zusammenstellungen und Obertitel verantwortlich ist… ich weiß es nicht so richtig und ich finde es immer verwirrend, wenn so eine Sammlung den Namen einer einzelnen Geschichte trägt, aber gut, das sind die Formalitäten und ich will ja auch nicht undankbar sein, dass ich diese beiden nicht mehr ganz so neuen Bücher auf Flohmärkten und anderswo gebraucht erstanden habe. Nur weiß ich gerade nicht so richtig, was ich hier rezensiere und warum, denn ich bezweifle irgendwie, dass man diese Mischung von Geschichte immer noch in derselben Ausgabe finden kann, wenn man dann diese Rezension als Anregung sehen würde, sich diesen Band kaufen zu wollen… egal, das geht hier schon sehr stark in Richtung einer „Wer bin ich und warum tue ich das, anstatt meine Meinung für mich zu behalten?“-Existenzkrise. Man betrachte diesen Eintrag bitte einfach als ein Plädoyer für den Konsum von Daphne DuMauriers Texten.

Auch wenn in diesem Band keine der „Blockbuster“-Kurgeschichten wie Die Vögel oder Wenn die Golden Trauer tragen enthalten waren, bin ich doch ziemlich gut unterhalten wurde. Die Texte von Daphne DuMaurier haben immer einen doppelten Boden. Nicht immer gibt es Mord, Todschlag und Intrigen, manchmal gibt es auch ein glückliches Ende, aber immer mit einem gewissen Augenzwinkern dabei. Die Figuren reden sich um Kopf und Kragen und häufig schwant einem als Leser schnell, dass der Erzähler vielleicht gar nicht so unbedingt der Sympathieträger ist und dennoch muss man ausgerechnet ihm mit seiner Seite der Geschichte folgen. Die Figuren sind keine Helden, meist nicht einmal Helden des Alltags, sondern häufig selbstsüchtige, gemeine Kleingeister. Die Doppelmoral der feinen Gesellschaft wird hochgenommen. Die Reichen und die Schönen werden von ihrer Überheblichkeit zu Fall gebracht. Und manchmal trifft es auch die Guten, die Armen, eben die, denen man alles Glück der Welt gegönnt hätte, denn so ist das ja auch im Leben, es geht nicht immer gerecht zu, Schwindler werden nicht immer ertappt oder bestraft.

Von einem Roman oder einer Geschichte als „zeitlos“ zu sprechen, finde ich immer ein bisschen schwierig. Aber über die Kurzgeschichten von Daphne DuMaurier kann man vielleicht zumindest irgendwie sagen, dass man beim Lesen nicht unbedingt das Gefühl hat, sich auf ein historisches Setting einlassen zu müssen. Auch wenn man die Währungen nicht kennt, die Preise alle lächerlich bezuglos sind, eigentlich niemand Flugzeuge nutzt und längere Reisen zu Schiff oder mit dem Zug erledigt werden und in Sachen Technik auch nicht so ganz viel los ist. Na gut, so uralt sind die Geschichten nun auch wieder nicht, immerhin hat die Autorin einen Großteil des 20. Jahrhunderts miterlebt. Es gibt also keine Pferdekutschen mehr, aber eben auch noch keine Handys. Und die Zeit und der Raum spielen auch keine allzu große Rolle in den Kurzgeschichten selbst… wobei, London, Venedig und Paris sind doch manches Mal die Dreh- und Angelpunkte.  Also alles abwechselnd hübsch kosmopolitisch oder britisch-ländlich angelegt.

Meine Lieblingsgeschichte war vielleicht sogar die Geschichte Ganymed, die Der Tod in Venedig ganz herrlich aufs Korn genommen und gnadenlos entromantisiert hat. Ein längeres Darüber-Nachsinnen hat aber vermutlich auch Die Großherzogin verdient. In dieser Geschichte werden die Globalisierung und die Entwicklung von Kapitalismus und Tourismus am Beispiel eines fiktiven Staates, dem „letzten Königreich von Binneneuropa“ scharf gezeichnet. Ob die Figur der titelgebenden Großherzogin ein bisschen an Elizabeth II. und an den Sündenfall in der Bibel denken lässt? Vielleicht. Die Königin von England ist ja faszinierenderweise für uns genauso tagesaktuell wie für Daphne DuMaurier. (So viel zum Thema Zeitlosigkeit.)

Also… diese Rezension ist keine runde Sache, wirklich nicht, aber was ich wohl damit sagen will: Wer über einen Flohmarkt schlendert und eine alte, gebundene Ausgabe mit einem glänzenden Umschlag entdeckt, auf dem der Name Daphne DuMaurier steht, der sollte vielleicht einfach ein bisschen Kleingeld locker machen und einen Versuch wagen. Es lohnt sich. Auch wenn es nicht immer die Wucht und die Grausamkeit von Meine Cousine Rachel oder Die Vögel hat.  

Friedhof der Kuscheltiere

„Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King (1983)

Egal wie lange ich auch nachdenke, mir fällt kaum ein produktiverer Autor als der König des Horrors ein. Pro Jahr veröffentlicht Stephen King gefühlt drei Bücher, die alle so dick sind, dass ich mich da erstmal einige Monate mental drauf vorbereiten muss. Warum ich mir dann kein frisches Werk von King gegriffen habe, sondern diesen alten Schinken? Ich weiß es selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass dieses Buch seit geraumer Zeit in meinem Regal steht und ich sowohl die alte als auch die neue Verfilmung dieses Horrorklassikers gesehen habe… es war also längst überfällig.

Und auch, wenn ich die Geschichte ja schon in zweierlei Varianten kannte, hat das Buch die übliche, hochfaszinierende King’sche Spannungskurve gehabt. Diese Kurve sieht meistens wie folgt aus: Das erste Viertel des Buches ist gut, ja, aber irgendwie liest es sich nicht so flott, etwas zäh, der Horror entfaltet sich langsam und ich kann das Werk auch gut mal ein paar Stunden/ Tage/ Wochen zur Seite legen. So im zweiten Viertel wird es dann intensiver und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich wie gebannt von der Geschichte bin und sie einfach nur noch zu Ende lesen will. Zu Ende lesen muss. Weil das kann doch nicht sein, dass es so ausgeht.

Was mich immer wieder an Stephen Kings Romanen besticht ist die gnadenlose Konsequenz, mit der eine schlimme Idee zu Ende gebracht wird. Es gibt mitunter Wendepunkte, ja, aber keine krassen Schockmomente wie man sie gerne bei Horrorfilmen hat. Wenn ich ein Buch von Stephen King aus der Hand lege, habe ich grundsätzlich das Gefühl, dass es schlimmer nicht hätte kommen können. Und dass es anders nicht hätte kommen können. Die Enden von Kings Romanen hinterlassen bei mir immer den Eindruck, das einzig mögliche – und möglichst grausame – Ende gewesen zu sein. Und das ist für mich der Qualitätsbeweis. Dafür quäle ich mich gerne mit langgezogenen, gut gemachten Expositionen.

Friedhof der Kuscheltiere – um hier auch mal etwas spezifisch zu werden – erzählt die Geschichte der Familie Creed. Louis Creed, ein typischer, amerikanischer Familienvater aus dem King-Baukasten (nicht auf dem Level von Jack Torrance, aber schon destruktiv und von sich selbst und überhaupt eingeschränkt in seinen Handlungsmöglichkeiten), nimmt eine Stelle als leitender Arzt am Universitätsklinikum in Maine an und zieht mit seiner Familie, bestehend aus Ehefrau, Tochter, kleinem Sohn und dem  Kater namens Winston Churchill, ins beschauliche Ludlow. Das Haus ist bildschön, die Garten unüberschaubar groß, die Nachbarn freundlich – doch leider führt eine Schnellstraße direkt an dem Grundstück vorbei, die tagsüber wie nachts von schweren Lastwagen befahren wird. Bereits bei ihrer Ankunft warnt der Nachbar von gegenüber, dass die Creeds gut auf ihren Kater aufpassen müssen und ihn besser kastrieren lassen, weil herumstromernde, neugierige Haustiere in der Gegend keine besonders hohe Lebenserwartung haben… aus diesem Grund gibt es, quasi auf dem Grundstück der Creeds, einen Friedhof, auf dem die Kinder der Stadt ihre pelzigen Lieblinge seit Jahrzehnten begraben.

Es kommt dann alles, wie es kommen muss. Kein Unglück wird ausgespart. Kein Potenzial wird verschenkt. Die menschlichen Abgründe nahezu aller Figuren werden ausführlich beleuchtet und man kann keinem vorwerfen, sich ohne Grund irrational und dumm zu verhalten. Das hebt den Roman von zahlreichen Genrefilmen ab – und rechtfertigt auch irgendwie die Dicke des Buches.

Mein neuer Favorit von King wird Friedhof der Kuscheltiere wahrscheinlich eher nicht, dafür ist die Konkurrenz zu stark und meine Kenntnis des Gesamtwerks des Mannes dann doch zu begrenzt. Aber da ich den guten Mister King aller Wahrscheinlichkeit nach um (hoffentlich!) ein paar Jahrzehnte überleben werde, kann ich eventuell eines Tages behaupten, alles von ihm gelesen zu haben und eine weise Entscheidung darüber treffen, welches Buch von ihm mein Lieblingsbuch ist. Und bis dahin kann ich einfach die Stunden genießen, in denen ich beim Lesen meine Fingernägel abkaue.

Zum Foto: Ja, das ist unsere alte Katze… und nein, sie ist auf dem Bild nicht schrecklich unfreundlich getroffen. Das Foto hat ihren Charakter schon ganz gut für die Ewigkeit festgehalten.

Geschichten des Grauens

„Geschichten des Grauens“ von Hanns Heinz Ewers (1972)

An den Beginn dieser kleinen Rezension über ein feines Büchlein gehört erstmal eine Bemerkung zur Jahreszahl in der Überschrift: Die „Geschichten des Grauens“ sind allesamt um die Jahrhundertwende 1900 entstanden und wurden in den 1970er-Jahren neu kombiniert und wiederaufgelegt. Die Sammlung umfasst vier kurze Erzählungen, die (vermutlich) aufgrund ihrer thematischen Überschneidungen so zusammengestellt wurden. Die einzelnen Titel lesen sich wie folgt: Der schlimmste Verrat, Sibylla Madruzzo, Der Spielkasten, Der letzten Willen der Stanislawa d’Asp.

Ich muss gestehen, dass ich das Buch relativ wahllos aus dem Regal gegriffen habe, weil es angenehm groß gedruckt und nicht besonders dick ist. Obendrein war mir mal wieder nach kurzen, grausigen Geschichten – und genau das hat der Titel ja versprochen. Mein Fazit vorweg: Das Buch hat meine Erwartungen vollkommen erfüllt, ich habe eine Mischung aus Phantastik, Horror und Romantik bekommen – mit einem kolonialzeitlichen Flair. Hm. Beim Lesen habe ich, aufgrund der Schonungslosigkeit der Ideen und der doch ziemlich modernen, frisch wirkenden Sprache mehrmals überlegt, wann das Buch wohl entstanden sein könnte. Irgendwie kamen das Deutsche Kaiserreich und der Imperialismus des 19. Jahrhunderts doch noch ziemlich… authentisch herüber. Sobald es irgendwie um Saigon, Flussreisen, Tropenfieber und China als Ziel der Kolonialmächte geht, bin ich sowieso immer ein bisschen getriggert, weil dann für mich Heart of Darkness von Joseph Conrad und Apocalypse Now  sofort präsent sind. Und dann muss ich erstmal ganz tief Luft holen.

Das Ende vom Lied ist, dass ich den Namen des Autors durch die Internet-Suchmaschine gejagt habe, ehe ich mich an diese Rezension gesetzt habe und Ewers hat von 1871 bis 1943 gelebt. Meine Einschätzung beim Lesen war also nicht ganz falsch. Ich staune aber immer noch darüber, wie wenig angestaubt der Stil auf mich gewirkt hat!

In ausnahmslos jeder der vier Geschichten spielt Ehebruch – oder zumindest die Dehnbarkeit des Begriffs Ehe – eine große Rolle. Darüber hinaus werden klassische phantastische Grenzüberschreitungen gewagt: Vom Leben zu Tod, von Liebe zu Hass, von Wirklichkeit zu… Unwirklichkeit? Mal nehmen die Geschichten einfach nur einen bösen Twist und das „Grauen“ resultiert aus zutiefst menschlichen Abgründen, doch manchmal steht die Einschätzung des Lesers auf der Kippe. Welcher Figur will ich glauben? Wer ist hier eigentlich der Böse? Und kann das alles wirklich so passiert sein, ist da jemand dem Wahnsinn erlegen oder bin ich bereit, einer vagen Traumlogik zu folgen?

Ich habe eine ganz große Schwäche für Geschichten, die von mir so eine Einschätzung abverlangen und die mir eine erzählte Wirklichkeit liefern, an die ich glauben kann – oder eben auch nicht. Ich liebe es, wenn ich nicht genau weiß, welcher Figur ich vertrauen kann und bei wem ich vielleicht aufpassen muss, wenn er den Mund aufmacht. Obwohl die Geschichten nicht hyperkompliziert sind und ich spätestens nach drei Vierteln doch immer eine üble Ahnung hatte, in welche Richtung das gehen wird, bin ich mir sicher, dass ich mich an diese kleinen, literarischen Bösartigkeiten noch länger erinnern werde!

Wer „Geschichten des Grauens“ gerne gelesen hat, dem gefällt vielleicht auch:

  • Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann. Ein absoluter Klassiker der deutschen, phantastischen Literatur, der im wahrsten Sinne des Wortes phantastisch ist und sehr viel Stoff zur Diskussion bietet.
  • Der Affe von Tanja Blixen. Sprechende Tiere und Nonnen – muss ich mehr sagen?
  • Das Schloss von Franz Kafka. Wenn es einen Autor gibt, dem ich immer misstraue, dann ist das wohl Kafka. Die Reise des Landvermessers K., der auf der Suche nach dem Schloss ist, das überall und nirgends zugleich ist, mag vielleicht keine klassische phantastische Literatur sein, aber trotzdem gehört das Buch auf diese Liste. Eigentlich auf jede Liste.
  • Basar der bösen Träume von Stephen King. Eine Kurzgeschichten-Sammlung des amerikanischen Großmeisters des Horrors. Wenn man King mag, dann wird man hier glücklich. Wenn man ihn nicht mag, dann gruselt man sich eventuell trotzdem.

Commissario Montalbano #4 – Die Stimme der Violine

 „Die Stimme der Violine“ von Andrea Camilleri (1997)

Aus Gründen die genau zu erläutern unheimlich überflüssig und unnötig kompliziert wäre, haben wir nicht nur den ersten, sondern auch den vierten Fall von Salvo Montalbano im Haus… natürlich hätte ich chronologisch vorgehen und auf E-Books umschwingen können, aber da die Fälle in sich abgeschlossen sind, habe ich keinen Grund gesehen, um nicht einfach das nächstbeste, physisch vorhandene Buch in die Hand zu nehmen.

Durch die Lücke von zwei Bänden habe ich den Anschluss an das Privatleben des Kommissars minimal verloren und das finde ich wirklich schade, weil der Lebensstil, die sozialen Verbandelungen, die familiären Hintergründe und die Essgewohnheiten des Protagonisten für mich die halbe Miete sind. Die Ermittlungen sind natürlich auch spannend, aber ich hätte die beiden Bücher nicht so sehr genossen, wenn es das ganze Drumherum nicht gäbe. Natürlich schlachtet Camilleri weiter einige Klischees aus, mit denen man als deutscher Leser an einen sizilianischen Krimi herangeht – aber wenn man bedenkt, dass der Autor in Porto Empedocle auf (es heißt auf, oder?) Sizilien geboren ist, dann kann man ja fast schon wieder daran glauben, dass es gar keine Klischees, sondern… Wahrheiten sind?

Die Ausgangssituation des Romans ist schnell erzählt: Eine junge Frau, die eigentlich auf dem Festland lebt, von der sizilianischen Landschaft jedoch derartig bezaubert ist, sodass sie mit dem Geld ihres Medizinergatten ein schönes Häuschen einrichtet, wird tot in ihrem unfertigen Schlafzimmer aufgefunden. Noch dazu ist die Frau nicht nur jung, sondern auch schön, nackt und in einer äußerst kompromittierenden sowie eindeutigen Position erstickt worden. Die Umstände des Todes werden nun natürlich geklärt, wie es sich für einen ordentlichen Kriminalroman gehört, aber es geht noch um so viel mehr: Die Scheinheiligkeit der beiden Tageszeitungen der Insel; die Mafia, die im Hintergrund ihre eigenen Spielchen treibt; das üppige Essen; die Schlafstörungen des Kommissars; die üblen und doch pittoresken Straßen der Insel; der Anbruch des digitalen Zeitalters in einem Kommissariat, in dem einige Kollegen schon mit der Bedienung des Telefons nicht zurechtkommen…

Diese Liste könnte endlos lang werden, aber ich stelle eine einfache Diagnose, warum sich die Geschichten um den Commissario Montalbano so gut verkaufen: Die Bücher haben Flair. Italien, das lässt sich leicht mit „Urlaub“ gleichsetzen. Die Bücher entführen den Leser, wie man immer so schön sagt, in eine andere Welt. Das Sizilien der 90er-Jahre hat, so ohne Technik, mit dem derben, unbelehrbaren, politisch angenehm unkorrekten Kommissar, eine gewisse Nostalgie. Und Nostalgie zieht immer. Dabei schadet es natürlich nicht, dass die Bücher gut geschrieben sind: Zackige Dialoge, keine überflüssige Silbe, kein ergreifendes Geschwafel, keine zähen Szenen. Die Mordermittlungen sind spannend, ja doch, aber die Fälle sind nicht umwerfend oder extrem genial konstruiert, da habe ich als nicht so ganz aktive Krimileserin schon deutlich ambitioniertere Ideen kennengelernt – aber auch das spricht eher für die Bücher als gegen sie. Viele Krimis oder Thriller erscheinen mir hyperkonstruiert, überambitioniert und einfach… zu viel.

Auf die Thriller von Sebastian Fitzek lasse ich eigentlich ungerne etwas kommen, aber sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass Irrungen und Wirrungen, unbekannte psychische Krankheiten und das Faszinosum Psychopathie manchmal eine richtig gute Geschichte ergeben und manchmal nur ein umständliches Stück Literatur erzeugen. Womöglich ist es auch unangemessen zwischen Camilleri und Fitzek einen Vergleich ziehen zu wollen, aber man kann beiden Autoren nicht absprechen, dass sie wahnsinnig erfolgreich sind. Trotzdem habe ich beim Lesen ein ganz unterschiedliches Gefühl und finde keinen gemeinsamen Nenner, obwohl es ja im weitesten Sinne dasselbe Muster ist: Jemand stirbt. Etwas Schlimmes passiert. Man soll mehr darüber erfahren. Aber bevor das hier in eine handfeste Krise ausartet, setze ich einen Punkt und freue mich darauf, irgendwann mehr über das Faszinosum Montalbano zu erfahren… sobald die Stadtbücherei wieder geöffnet hat.

Commissario Montalbano #1 – Die Form des Wasser

„Die Form des Wassers“ von Andrea Camilleri (1994)

Bislang habe ich von Andrea Camilleri nur zwei Romane gelesen, doch sowohl Mein Ein und Alles als auch Ein Samstag unter Freunden haben mich schwer begeistert. Dennoch habe ich bislang eher weniger den Drang verspürt, mit der Reihe um den sizilianischen Kommissar Salvo Montalbano anzufangen, die annähernd dreißig Bände umfasst. Aber wie es der Zufall will, haben wir den ersten Band im Haus gehabt und mir war heute nach einen Krimi, den ich an einem Nachmittag weglesen kann. Und dafür ist Die Form des Wassers wirklich das perfekte Buch.

Mit schnellen Dialogen, aberwitzigen Figuren, und einer sehr spezifisch italienischen Art, die Dinge zugleich rasant und gemächlich anzugehen, entspinnt sich das Netz aus Lügen und Morden auf Sizilien. Während die beiden örtlichen Mafiavereinigungen sich gegenseitig monatlich um ein Mitglied verringern, steht im Zentrum von Kommissar Montalbanos Ermittlungen ein einflussreicher Politiker, der eines unrühmlichen Todes gestorben ist. Eines Morgens wird der gut situierte, allseits bekannte Mann mit heruntergelassenen Hosen auf dem Beifahrersitz eines Autos in einer einschlägigen Gegend von zwei Müllmännern aufgefunden.

Wie bei jeder guten Krimireihe braucht es mehr als nur einen guten Fall oder einen originellen Ermittler: Es braucht eine gelungene Mischung aus beiden Komponenten – und das gelingt Camilleri als hätte er nie etwas anderes geschrieben. Seine Figuren sind immer reizvoll, nie ohne Witz und Schärfe, meist ein bisschen derbe, aber dabei nie ohne ein gewisses charakterliches Niveau. Es scheint keine platten Nebenfiguren zu geben, auch wenn der Autor an den Nebenfiguren wirklich nicht spart, sodass man davon ausgehen kann, dass in den zwei Dutzend Fällen, die da noch kommen mögen, einige dieser Figuren auch ihre fünfzehn Minuten Ruhm erleben werden.

Kommissar Montalbano ist eher halbherzig in seine persönlichen Romanzen verstrickt und ist in erster Linie nicht nur mit seinem Beruf, sondern auch mit der Insel verheiratet. Oft denkt er darüber nach, dass man diesen oder jenen Anblick fotografisch festhalten müsste. Eher seltener denkt er an die Gefühle der Frauen in seiner unmittelbaren Umgebung. Aber man verzeiht es ihm, weil der gute Kommissar doch sehr charmant daherkommt – und welcher eisenharte Ermittler hat schon eine glückliche Beziehung? Welcher Tatort-Kommissar lebt das ganz große Familienglück? (Ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau, weil ich kein großer Tatort-Kenner bin, aber mein Vater hat einmal bemerkt, dass da niemand mit einem soliden Privatleben gesegnet ist.)

Zu meiner großen Freude habe ich festgestellt, dass wir offenbar auch den vierten Band der Reihe besitzen. Ich hoffe sehr, dass die in sich abgeschlossenen Fälle nicht chronologisch gelesen werden müssen. Andernfalls muss ich aufgrund der gegenwärtigen Umstände vielleicht ausnahmsweise Mal in ein E-Book investieren…

Wer „Die Form des Wassers“ mochte, liest vielleicht auch gerne:

  • Das Krokodil von Maurizio de Giovanni. Auch sehr italienisch, schönes Mafia-Flair und ein gut ausgedachter Fall. Keine Reihe, soweit ich weiß.
  • Die Tetralogie (= vier zusammenhängende Bücher, aber das ist so ein schönes Wort, man muss es einfach benutzen) um Hannibal Lecter von Thomas Harris. Epische, herrlich erzählte Romane über das Leben des wahrscheinlich berühmtesten, fiktiven Kannibalen unserer Zeit. Ein Band spielt sogar im schönen Florenz – auch wenn ich gerade nicht mehr ganz sicher bin, welcher genau… aber die ganze Reihe lohnt sich.
  • Andere Fälle von Kommissar Montalbano?

Geständnisse

„Geständnisse“ von Kanae Minato (2008)

Die letzten Tage habe ich mit dem Roman „Geständnisse“ von der japanischen Autorin Kanae Minato verbracht, den mir eine Freundin ausgeliehen hat. Wie das bei solchen „Leihgaben“ und „Empfehlungen“ eben ist, waren meine Erwartungen höher als bei einem Zufallsgriff aus der Buchhandlung. Vorne im Buch waren einige lobpreisende Reviews abgedruckt – und es wurde obendrein der Vergleich mit Gillian Flynns Bestseller „Gone Girl“ gezogen, der zu den absoluten Favoriten in meinem Bücherregal gehört. „Geständnisse“ hatte es also nicht leicht – aber ich bin nach der Lektüre nicht wirklich enttäuscht gewesen, eher ein bisschen ernüchtert.

Worum geht es?

Die Mittelschule einer Kleinstadt wurde von einem tragischen Ereignis erschüttert: die 4-jährige Tochter einer Lehrerin ist im Schwimmbecken der Schule ertrunken. Die Geschichte beginnt damit, dass sich die Lehrerin am letzten Schultag des Jahres vor die Klasse stellt und verkündet, dass sie ihren Beruf aufgeben wird – und dass zwei Schüler der Klasse die Mörder ihrer kleinen Manami sind. Ohne Namen zu nennen, berichtet sie davon, wie die beiden Schüler, die sie A und B tauft, zu Mördern wurden. Und wie ihre Strafe aussehen soll.

Das Buch wechselt häufig in der Perspektive und versteht sich darauf, ein und dieselbe Geschichte aus mehreren Blickwinkeln zu erzählen. Es gibt mehrere Themen, die sich wie der berühmte rote Faden durch das Buch ziehen: Das Jugendstrafrecht in Japan; Mutter-Kind-Beziehungen (Helikoptermütter; Die Stigmatisierung von alleinerziehenden Müttern; Mutterkomplexe, die ganze Palette); Die panische Angst vor der Ansteckung mit Krankheiten; Der Leistungsdruck und das Wertesystem, das an japanischen Schulen vermittelt wird; Der Umgang der Medien mit den brutalen Verbrechen von Minderjährigen; Die Pflichten und die Erwartungen, die ein Lehrer erfüllen muss. Das Buch übt Kritik auf mehreren Ebenen – und das fast ohne plakativ oder zu direkt zu werden. Die verhängnisvollen Dynamiken zwischen Schülern und Lehrern, Eltern und Kindern, sind nicht spezifisch auf die japanische Gesellschaft zugeschnitten, sondern eher universell unheimlich. Und spannend. Die Sätze sind kurz, prägnant und eindringlich. Das Buch kommt ohne eine zu bildliche Sprache oder besonders viel Schnickschnack aus und lässt sich wunderbar nebenher lesen – oder am Stück, wenn man die Zeit dafür findet.

Read it?

Auch wenn ich nicht die Absicht gehabt hätte, das Buch seiner Besitzerin sobald wie möglich zurückzugeben, hätte ich „Geständnisse“ vermutlich ziemlich zügig gelesen, da die Spannungskurve nicht nachlässt. Obwohl ich im Nachhinein sagen muss, dass ich den Anfang besser fand als den Schluss. Das kann daran liegen, dass man sich irgendwann daran gewöhnt, dass alles immer ein bisschen anders ist als es scheint. Schon durch den Vergleich mit „Gone Girl“ (den ich nicht unterschreibe, nein wirklich nicht) ist irgendwie gesetzt, dass es heftige Plot-Twist geben wird. Aber wenn man auf Wendepunkte wartet, dann sind sie leider nur noch halb so wirkungsvoll. Leider ist das Ende des Romans deshalb auch beim ersten Lesen nicht schockierend. Das Konstrukt, das damit abgeschlossen wird, ist insgesamt so gemein, dass das Ende nicht wirklich nachtreten oder „noch einen draufsetzen“ kann. Besagte Freundin und Besitzerin des Buches meint allerdings, dass das Ende umso drastischer und gnadenloser erscheint, je länger das Lesen zurücklegt… also vielleicht ist es vorschnell eine Rezension zu schreiben, nachdem ich das Buch erst gestern Abend ausgelesen habe.

Da ich mich nun so viel über den Gone-Girl-Vergleich ausgelassen habe, möchte ich aber auch noch einem der abgedruckten Reviews zustimmen. Denis Scheck sagt über „Geständnisse“, es gehöre „zum Subtilsten, was ich seit langem gelesen habe“ – und da kann ich nur zustimmen. Einerseits setzt „Geständnisse“ auf Momente des lauten Schocks, aber andererseits schleicht die Boshaftigkeit der Geschichte sich an den Leser heran und wartet nur darauf, sich in einem der Wendepunkte zu offenbaren.

Wer „Geständnisse“ mag, liest vielleicht auch gerne:

  • „Gone Girl“ von Gillian Flynn. (Was für eine Überraschung.) Oder andere Thriller von Flynn wie „Cry Baby“ (Originaltitel: Sharp Objects) oder „Dark Places“.
  •  „Nichts. Was im Leben wichtig ist.“ von Janne Teller. Mindestens genauso abgründig, wenn es um die Dynamiken geht, die in einer Schulklasse entstehen können.
  • „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ von S.J. Watson
  • „Miss Lizzie“ von Walter Satterthwait

Das Geschenk

„Das Geschenk“ von Sebastian Fitzek (2019)

Auch wenn man es diesem Blog noch nicht ansehen kann, so ab und an lese ich gerne mal ein Buch, bei dem der Autor das Ziel verfolgt, mich meine Fingernägel abknabbern zu lassen und meinen Puls in die Höhe zu treiben. Wenn es um deutschsprachige Thriller geht, bin ich dann auch sehr „basic“ und verschlinge alles von Sebastian Fitzek. Die Frankfurter Buchmesse hat in meinem Leben bisher ehrlich gesagt keinen besonders hohen Stellenwert, aber ich weiß genau, Messezeit ist die Zeit, in der ein neuer Fitzek den Weg in mein Bücherregal findet! Und nachdem ich dann gestern brav in die Buchhandlung gegangen bin, war klar, dass der heutige Tag dem „Geschenk“ gewidmet wird. Denn ein Fitzek, den man nicht am Stück durchlesen will … hui, das wäre wohl ein schlechter Fitzek!

Worum geht es?

Analphabetismus. Und den üblichen Stoff, aus denen Fitzek seine Thriller webt: unzuverlässige Erzähler; Kindheitstraumata; undurchsichtige, männliche Protagonisten; noch undurchsichtigere, perfide, weibliche Nebenfiguren. Also eigentlich alles wie immer. Über den Inhalt des Buches kann man eigentlich kaum etwas sagen, ohne zu viel zu verraten, deswegen hier nur eine knappe Zusammenfassung der Ausgangssituation:

Milan ist Analphabet und kompensiert seine Schwäche sehr geschickt, um so gut wie möglich ein normales und funktionales Leben zu führen. Als eines Tages ein Auto an ihm vorbeifährt, in dem ein Mädchen sitzt, das voller Verzweiflung einen Zettel an die Scheibe presst, den Milan nicht entziffern kann, steht allerdings nicht nur die Beziehung zu seiner Freundin Andra auf der Kippe. Da Milan die Vorstellung nicht ertragen kann, dass wegen ihm und seiner Unfähigkeit, einen einfachen Satz zu lesen, ein Kind zu Schaden kommt, beginnt eine hitzige Verfolgungsjagd durch Berlin und Rügen.

Im Hintergrund lauert immer wieder die Frage, warum es Psychopathen gibt. Wie viele von ihnen gibt es? Ist jeder Psychopath gefährlich und wird früher oder später zum Mörder? Wo ist der Ursprung des Bösen? Und ist das Böse vererblich?

Seinem Roman stellt Fitzek mehrere Zitate zu diesem Thema voran. Alles wirklich Böse beginnt in Unschuld – ein Zitat des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway – springt dabei besonders ins Auge.

Ein kleines Highlight ist wie immer das Lokalkolorit –  zu dem typischen Schauplatz von Fitzek-Thriller (Berlin) kommt auch die Insel Rügen dazu.

Read it?

„Das Geschenk“ ist ein typischer Psychothriller und gleichzeitig auch typisch Fitzek – man kommt als Fan also auf seine Kosten, die Fingernägel werden auch vernichtet und man erfährt nebenbei noch allerlei spannende Kleinigkeiten über das Leben von Analphabeten. Man macht sich also Gedanken über Themen, die einem sonst vielleicht nicht unbedingt präsent sind. (Und das ist immer eine gute Sache.) Zwischenzeitlich merkt man, dass Fitzek selbst Vater und es deswegen gewöhnt ist, Zusammenhänge sehr sehr anschaulich zu erklären (Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze), doch dann kommt wieder eine kleine Anstrengung für das Hirn des Lesers und man fühlt sich herausgefordert. Der Balanceakt zwischen plakativ und mysteriös ist also einigermaßen gelungen – und ich darf ganz stolz behaupten, dass ich als routinierte Leserin ziemlich oft auf der richtigen Spur gewesen bin, aber eine Wendung habe ich dann doch nicht kommen sehen. Ich fühlte mich also sehr lange sehr schlau und war dann am Ende doch überrascht – und was kann man mehr wollen?

Ein Buch unmittelbar nach dem ersten Lesen zu rezensieren ist vielleicht nicht besonders vernünftig oder sinnvoll… ich hab den letzten Satz nicht mal vor einer Stunde gelesen und vielleicht bin ich noch gar nicht in der Verfassung das Gelesene zu bewerten, aber ich habe das vage Gefühl, dass „Das Geschenk“ nicht mein neuer Liebling von Fitzek ist … dafür war dann doch zu viel Altvertrautes und zu wenig Schockierendes und Innovatives dabei. Allerdings bin ich einen ganzen Nachmittag lang sehr gut unterhalten gewesen, ich habe mich nicht gelangweilt, muss meine Nagelschere nicht mehr suchen und überhaupt kann das Rad auch nur einmal erfunden werden. Also wenn jemand den Eindruck haben sollte, dass ich gerade gejammert habe … dann wirklich nur auf allerhöchstem Niveau.

Wer „Das Geschenk“ mag, liest vielleicht auch gerne:

  • Alles andere von Fitzek? Nur so eine Vermutung. Für mehr Empfehlungen bin ich im Thriller-Bereich einfach nicht belesen genug … aber der gute Mann ist ja zum Glück auch seit über zehn Jahren fleißig mit mindestens einem neuen Buch pro Jahr am Start.

Murder On The Orient Express

„Murder On The Orient Express“ von Agatha Christie (1934)

Es kommt leider relativ selten vor, dass ich Bücher im Original lese – und wenn ich mich dann schon mal gegen die deutsche Übersetzung entschieden habe, dann muss ich das auch betonen. (Was hiermit geschehen ist.)

Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so ordentlich aufgebaut war. Das muss gleich gesagt werden. Die Art und Weise wie Hercule Poirot – eine der kultigsten Ermittlerfiguren, die ich kenne – an einen schier unlösbaren Fall mit seiner gelassenen Systematik herangeht, ist unaufgeregt und trotzdem nicht langweilig. Man sollte meinen, dass es irgendwie ermüdend oder einseitig sein könnte, sich nacheinander zwölf Zeugenbefragungen durchzulesen … aber dem ist nicht so. Eine Kriminalgeschichte mit so vielen gleichwertig interessanten Figuren zu entwerfen, bei denen es keine richtigen „Nebenfiguren“ gibt und alle Charaktere ihre fünfzehn Minuten Ruhm bekommen, ist absolut erstaunlich.

Worum geht es?

Der berühmt-berüchtigte Detektiv Hercule Poirot reist mit dem Orient-Express von Istanbul nach London. Nachts fährt der Zug durch das verschneite Jugoslawien – und am nächsten Morgen ist ein Passagier tot. Durch witterungsbedingte Störungen (kennt man bei der Deutschen Bahn ja immer noch) kommt der Zug auf freier Strecke auf unbestimmte Zeit zum Stehen. (Auch dieser Moment ist einem abgehärteten Pendler nicht unbekannt. Ganz im Gegenteil. Aber das gehört nicht hierher.) Die unbehagliche Vermutung, dass einer der Reisenden der Mörder sein muss, steht im Raum … und Hercule Poirot beginnt zu ermitteln. Sehr gründlich, sehr hypothetisch – und sehr unterhaltsam.

Die Kulisse dieser Kriminalgeschichte ist ebenso detailverliebt wie statisch. Das Abteil, in dem Poirot und die Verdächtigen feststecken, wird in allen Einzelheiten beschrieben, die Reisenden weisen zum Teil schillernde Persönlichkeiten und aufregende Biographien vor – und selbst der Ermordete langweilt nicht, obwohl er sich ja logischerweise nicht mehr rühren kann. Die Geschichte lebt nicht von Verfolgungsjagden, Drohanrufen, Undercover-Missionen oder irgendwelchen Actionszenarien, sondern von Observationen und Verhören. Beschreibungen und Dialoge sind schlichte, erzählerische Mittel, die ich persönlich unterschätzt habe. (Unappetitliche Anmerkung: Ich kannte die Auflösung schon, da ich eine Verfilmung des Romans gesehen habe, aber ich habe trotzdem an den Fingernägeln gekaut!)

Read it?

Ich vermute, mein enthusiastischer Unterton hat bereits nahegelegt, dass dieser Klassiker der Kriminalliteratur absolut lesenswert ist. An dieser Stelle sei vielleicht gesagt, dass ich nicht unbedingt eine Person bin, die jeden Thriller liest, den sie in die Finger kriegen könnte. Und es ist ein ganz alter Hut Sherlock Holmes und Hercule Poirot zu feiern – und trotzdem tue ich es.

Was „Murder On The Orient Express“ zu einer Leseempfehlung macht, sei einfach noch einmal in wenigen Worten wiederholt: einprägsame Figuren; ausgeklügelte Hintergrundgeschichten; ein selbstherrlicher, exaltierter und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen großartiger Detektiv und eine umwerfende Kulisse. Der Orient-Express ist vielleicht im Jahr 2019 keine Institution mehr und überhaupt haben Zugreisen ihren Charme irgendwie verloren, aber gerade deshalb ist diese Zeitreise so verlockend. Der Roman ist zeitlos und nostalgisch zugleich. Und ich höre jetzt auf, weil das hier keine ernsthafte Kritik ist, sondern ein Loblied.

Also nochmal für alle: wer „Murder On The Orient Express“ seit Jahren im Regal stehen hat und noch nie dazu gekommen ist, einen Blick ins erste Kapitel zu werfen … der sollte es einfach tun. Der Rest erledigt sich von ganz alleine. Nur mal kurz reinlesen funktioniert nämlich nicht.

Wer „Murder On The Orient Express“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Romane (Eine Studie in Scharlachrot; Im Zeichen der Vier und Der Hund von Baskerville kann ich guten Gewissens empfehlen, alles andere lagert noch auf meinem Nachttisch.)
  • Der Verdacht von Friedrich Dürrenmatt.
  • … sagt ihr es mir?