Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Jeffrey Blitz: Table 19 – Liebe ist fehl am Platz (2017)

Hochzeiten, Taufen, Geburtstage und Beerdigungen zählen zu den Lieblingsschauplätzen von romantischen Komödien. Es gibt eher wenige Filme des Genres, bei dem keines dieser „sozialen Events“ irgendwie handlungstreibend ist. Manchmal schaffen es sogar alle „Lebensereignisse“ in einen einzigen Film. Ich glaube, Zwei an einem Tag wäre ein Beispiel dafür, dann auch wenn dort vielleicht nicht alle diese Events dargestellt werden, wird gestorben, geboren und geheiratet.  Da das hier irgendwie negativ klingt, stelle ich besser klar, dass ich wirklich gerne Rom-Coms gucke. Das ist so eine jugendliche Schwäche, die ich mir erhalten habe, genau wie Jugendbücher. Denn auch wenn es eindeutig bessere Filme gibt… manchmal muss ich auch Filme (und Serien) konsumieren wie Marie Kondo aufräumt und mich fragen: Does it spark joy?

Hier soll es um einen Film gehen, der in seinem Genre wirklich nichts Besonderes ist, aber mir trotzdem sehr viel Freude gemacht hat. Ich kann mir selber nicht erklären, wie Table 19 an mir vorübergehen konnte, denn im Jahr 2017 bin ich schon ziemlich aufmerksam gewesen, was Filmstarts und Trailer angeht… aber wenn ich bedenke, dass im deutschen Wikipedia auch kein Eintrag zu dem Film verzeichnet ist  – trotz recht prominenter Besetzung durch Anna Kendrick, Lisa Kudrow, Stephen Merchant und Tony Revolori, die man irgendwie alle von irgendwo kennt – dann vermute ich fast, dass der Film in Deutschland direkt auf DVD erschienen ist… oder einen ganz undankbaren Starttermin im Kino hatte.  

Das Setting von Table 19 ist eine Hochzeit. Nicht die Hochzeit von einem der Protagonisten und das macht es schon wieder so schön. Beinahe der gesamte Film, mit Ausnahme einzelner Szenen am Anfang und Ende, spielt auf dieser Hochzeit. Wer heiratet und in welcher Verbindung die einzelnen Protagonisten zum Brautpaar stehen, erfährt man über die erste Hälfte des Films hinweg verteilt, wodurch eine gewisse Spannung aufgebaut wird, weil man sich erstmal in das Beziehungsgeflecht reinfuchsen muss. Die Gemeinsamkeit der recht unterschiedlichen Hauptfiguren ist der titelgebende Table 19, der Tisch in der hinterletzten Ecke, der auf dem Sitzplan der Hochzeit mit „Randoms“ bezeichnet wird – eine schmeichelhafte Umschreibung dafür, dass dort die Leute sitzen, die man irgendwie gezwungenermaßen einladen musste, aber eigentlich nicht unbedingt sehen will.

Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass die junge, hübsche Eloise (gespielt von Anna Kendrick) im Zentrum der Handlung steht und der Film fokussiert sich darauf, ihre Geschichte ein wenig ausführlicher zu erzählen als die der anderen „Randoms“ – aber wenn man bedenkt, dass bei romantischen Komödien gerne mal überhaupt keine Nebenhandlung stattfindet, dann muss man dem Film ein großes Kompliment dafür machen, dass er in der zweiten Hälfte trotz dieser Fokussierung auf Eloise keine der anderen Figuren aus dem Auge verliert. Am Ende des Films hat man das befriedigende Gefühl, dass alle Geschichten, die in der ersten Hälfte angerissen werden, auch ordentlich zu Ende erzählt sind. Überhaupt hinterlässt der Film ein gutes Gefühl bei seinen Zuschauern – und das ist bei Filmen, die sich explizit als romantische Filme vermarkten, für mich auch irgendwie der springende Punkt. Hier wird kein Mord aufgeklärt, kein politischer Konflikt ausgetragen, kein Thema thematisiert, das sonst auf der Kinoleinwand zu wenig Platz erhält, aber schön ist es trotzdem.

Meine Begeisterung mag auch ein bisschen darin begründet liegen, dass meine Erwartungen an den Film nicht besonders hoch gewesen sind und ich ihn eigentlich nur wegen der angenehmen Länge (etwas weniger als 90 Minuten, das war überzeugend, denn nichts ist schlimmer als eine Liebesgeschichte, die eine Stunde zu lang ist) und Anna Kendrick angesehen habe. Es ist natürlich nicht der beste Film mit Anna Kendrick und in Pitch Perfect oder A Simple Favor  blüht sie deutlich mehr auf, aber Table 19 weiß auch, was er an ihr hat, und lässt sie eher glänzen als Twilight oder Mike And Dave Need Wedding Dates. Wow. Ich merke gerade, wie lächerlich viele Filme mit Anna Kendrick ich gesehen habe. Ich schätze, ich bin ein Fan.

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