Gedicht: Deine Lieblingssachen

Deine Lieblingssachen

Am Telefon fragt meine Oma, wie es dir geht,
sie will wissen, wie es um dein Examen steht,
ob du dich über Selbstgestricktes freust
oder ob du in Wollsocken die Öffentlichkeit scheust.

(Ganz so fragt sie nicht, denn Oma reimt nicht.)
Mich fragt sie, ob ich den Kontakt zu dir auch nicht verlier‘.

Früher waren deine Freunde meine Freunde,
dein Haus war ein Haus, in dem ich jedes Zimmer kannte.
Ich hab mich in deinem Leben so gut zurechtgefunden,
die Stunden in den Wohn- und Esszimmern deiner Familie waren nur Sekunden.

Meine Tante war deine Lieblingsverwandte,
sie ist vor vier Jahren gestorben und wir haben sie einmal im Sommer und einmal im Winter besucht.
Meine Freunde waren nicht deine Freunde, weil du dich selten an ihre Namen erinnern konntest,
auch wenn es wichtig gewesen wäre.
(Für mich.)

Am Telefon kann sich meine Oma nur gelegentlich an Namen erinnern,
aber dich vergisst sie nie.
Ob du gerne Selbstgebackenes isst?
Ob es noch mehr Lieblingssachen von dir gibt
und ob du auch immer noch mein Liebling bist?

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