Die Frau und der Affe

„Die Frau und der Affe“ von Peter Høeg (1996)

Bei dieser Rezension weiß ich gar nicht, in welche Kategorie ich sie packen soll, denn es ist wirklich schwer Die Frau und der Affe irgendeinem Genre zuzuordnen. Es ist nicht Fantasy, es ist nicht wirklich Science-Fiction, es ist auch kein richtiger Thriller, es ist nicht mal wirklich mit dem Schlagwort Magischer Realismus zu fassen, obwohl es gefühlt Spuren von allem Möglichen enthält. Trotzdem ist das Buch nicht unentschlossen. Ich habe wirklich lange nichts mehr gelesen, das so reingehauen hat!

Ich habe gefühlt drei oder vier Mal während der gesamten Lektüre innegehalten und einen Satz immer und immer wieder gelesen, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass das wirklich da steht! Also in Sachen unvorhersehbare Wendepunkte liegt dieses Buch ganz weit vorne. Da liest man Sätze, die man so einfach nicht hat kommen sehen. Und so wahrscheinlich auch nirgendwo sonst lesen kann. Es ist einfach alles unfassbar innovativ und so wenig abgeschmackt – mir fällt absolut kein Buch ein, das ich inhaltlich so richtig damit vergleichen könnte. Und das muss man ja auch erstmal schaffen.

Zur Ausgangssituation: Madelene, eine gebürtige Dänin, ist mit dem Engländer Adam Burden verheiratet, der bald schon der Direktor des angesehenen Londoner Zoos werden soll. Der Erfolg, der Reichtum und das gute Aussehen von Adam führen allerdings nicht dazu, dass Madelene in ihrer Ehe besonders glücklich ist. Sie trinkt – und das nicht zu knapp. Als eines Tages ein Menschenaffe auf der Bildfläche erscheint, mit dem Adam sich seinen zoologischen Weltruhm sichern will, gerät der apathische Alltag von Madelene außer Kontrolle.  

Auch auf der sprachlichen und stilistischen Ebene bin ich ziemlich überzeugt worden. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, die Sätze genauso. Es gibt kein Gelaber, nichts an der Geschichte fühlt sich zu ausgeschmückt oder zu sparsam erzählt an. Es ist nicht melodramatisch, es ist nicht prätentiös, es haut einfach nur rein, da kann ich mich nur wiederholen.

Die Hauptfigur Madelene ist für den Leser oftmals ein bisschen schwer zu fassen, aber das macht sie nur umso interessanter. Sie weiß immer wieder zu überraschen und ist zugleich immer auf einem ähnlichen „Wissensstand“ wie der Leser, sodass man ihr gut durch die Handlung folgen kann. Viele der Figuren, die eigentlich doch relativ wichtig sind, lesen sich eher wie Nebenfiguren, aber das stört gar nicht, denn sie verkommen nicht zu Klischees oder handeln allzu durchschaubar. Die andere Titelfigur, der Affe, ist eine Nummer für sich und über ihn kann man kaum etwas sagen, ohne direkt zu viel zu verraten.

Eine absolute Leseempfehlung, mehr kann ich hier auch gar nicht mehr sagen. Ich weiß nicht, ob ich mich so bald wieder an den Autor wagen werde, denn immerhin ist Fräulein Smillas Gespür für Schnee auch irgendwie so ein Buch, das man vom Hörensagen kennt und gefühlt auch wieder gelesen haben muss… vielleicht gucke ich auch endlich mal Planet der Affen. Um ein bisschen beim Thema zu bleiben.

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