Der Goldene Kompass

„Der Goldene Kompass“ von Philip Pullman (1995)

Fantasy und ich, das ist so eine Sache für sich. Ich liebe die Fantasy-Reihen, mit denen ich aufgewachsen bin und ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Harry-Potter-Bücher gelesen habe oder die beiden Vampir-Universen von Stephenie Meyer oder Lynn Raven verschlungen habe, aber wenn es darum geht, mich auf ein neues Fantasy-Universum einzulassen, dann bin ich sehr zögerlich. Woran genau das liegt, weiß ich gar nicht, es ist nämlich nicht so, als wäre ich dem Genre entwachsen, aber irgendwie messe ich jedes neue Buch an meinen persönlichen Klassikern. Und wie viele Welten sind schon so gut gemacht wie Mittelerde oder Narnia?

Doch im Rahmen der „Arbeit“ an meinem „Regal ungelesener Bücher“ habe ich mich nach Jahren des Aufschiebens mal wieder an den Auftakt einer Fantasy-Reihe gewagt. Ich fand schon immer, dass His Dark Materials ein wahnsinnig toller Titel ist – und doch habe ich lange nicht kapiert, dass Der Goldene Kompass und dieser tolle Titel etwas miteinander zu tun haben. Aber die deutsche Übersetzung des Originaltitels Northern Lights ist auch wahrlich keine Glanzleistung. Überhaupt ist es ein einziger Unsinn, denn es geht nicht mal wirklich um einen Kompass. Das hat mich schon verwirrt, als ich vor etwas mehr als zehn Jahren die wenig gerühmte Verfilmung dieses Buches angesehen habe, das mich dann in der letzten Woche echt unvorbereitet umgehauen hat.

Der Goldene Kompass präsentiert „eine Welt, die der unseren sehr ähnlich ist“ und die sich aber doch in einigen wesentlichen Dingen von der sogenannten Realität unterscheidet. Die Weltkarte und die Aufteilung der Kontinente sind nicht ganz fremd, aber eben doch etwas anders. Menschen haben Daemonen an ihrer Seite – Gestaltwandler, die irgendwie so was wie ihre sprechende, personalisierte Seele und ein absolutes Heiligtum sind. Und es gibt sprechende Bären. Panzerbären. Und ganz ehrlich, die Panzerbären waren für mich das absolute Highlight! Auch die anderen Wesen und Völker und Orte, die in dem Buch vorgestellt werden, sind gut ausgedacht, aber die Panzerbären und ihr Königreich Svalbard waren einfach nur großartig! Die Haupthandlung selbst war auch erstaunlich gut gemacht. Anfangs war ich ein bisschen… na ja, nicht gelangweilt, aber eine zehnjährige, weibliche Heldin, die kaum irgendwelche Entscheidungen selbstständig trifft, sondern eher so durch das Abenteuer schlingert und erstmal aufwendig gemacht erfährt, wer ihre leiblichen Eltern sind… ich fand es ein bisschen wenig originell. Und am Ende hab ich mich gleich dafür geschämt, weil Lyra irgendwie doch ein ziemlich gut konstruierter Charakter war. Weil die ganze Figurenkonstellation überhaupt ziemlich wohldurchdacht ist.

Obwohl ich so meine Zweifel daran habe, dass His Dark Materials auf mich persönlich so einen starken Eindruck machen werden die Harry Potter oder Der Kuss des Dämons (ja, es ist eine Schande, weil Philip Pullman der um Welten bessere Autor ist!) oder Herr der Ringe, habe ich den festen Vorsatz, mich auch mit dem Rest der Trilogie auseinanderzusetzen. Und mir zum ersten Mal seit Jahren aus freien Stücken wieder Fantasy-Bücher zu kaufen. Für die frühkindliche Prägung durch die Reihe ist es zwar zu spät, aber vielleicht wird es mal wieder Zeit, sich so richtig auf eine gut gebaute Welt mit eigenen Regeln einzulassen. Außerdem ist Der Goldene Kompass sowieso alles andere als ein Kinderbuch. Das ist auch nur wieder so ein Missverständnis, dem ich erlegen gewesen bin.

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