Brida

„Brida“ von Paulo Coelho (1990)

Da der Hype um den brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho ja durchaus real ist, lasse ich mich auch immer mal wieder hinreißen und lese etwas von ihm. Der Alchimist hat bei mir keinen besonderen Eindruck hinterlassen, Veronika beschließt zu sterben fand ich hingegen ziemlich gut und angenehm zu lesen und mit Brida habe ich jetzt ein Buch gefunden, das angenehm zu lesen ist und keinen besonderen Eindruck hinterlässt.

Die Geschichte um die 21-jährige Dublinerin Brida, die weiß, dass sie eine Hexe ist und ihre magischen Kräfte ergründen will, ist… na ja, nicht langweilig, aber besonders spannend fand ich das Gewese um die Sonnentradition, die Mondtradition und die Suche nach dem anderen Teil nicht. Die vermeintliche Dreiecksgeschichte, die auf dem Buchrücken angekündigt wird, ist auch eher… harmlos. Und da die Figuren sowieso nicht besonders zugänglich sind, hab ich mich jetzt auch emotional nicht so abgeholt gefühlt. An sich finde ich die Idee spannend, die das Buch mitbringt. Denn was ist, wenn alle Menschen früher „ein Leben“ waren und dieses Leben, dieses perfekte, harmonische Ganze, sich im Laufe der Zeit gespalten hat, sodass es auf der Welt nicht nur einen, sondern sogar mehrere Menschen gibt, die „der andere Teil“ von einem selbst sind? Und was ist, wenn man gleich zwei von diesen anderen Teilen trifft und sich entscheiden muss? Hinter so einem Gedankenexperiment steckt schon was und ich bin für so philosophisch-romantisches Gedankengut eigentlich immer zu haben, aber Bridas Lebens- und Liebesgeschichte hat mich trotzdem nicht mitgenommen. Dafür ist es bei aller Tiefe irgendwie zu flach gewesen.

Ein weiteres „Problem“, das ich mit dem Buch hatte, war die seltsame Vermischung von Hexerei und Christentum. Die Idee, dass alle Menschen mehr als ein Leben hinter sich haben, dass man von früheren Leben geprägt ist, dass Mensch und Natur verbunden sind und dass man seine eigene Magie kennenlernen kann… das ist schon alles okay als Idee, aber irgendwie fand ich diese alltäglichen Verknüpfungen mit dem Christentum ein bisschen inkonsequent. Also nicht, dass ich mich hier gegen Hexerei, Okkultismus oder das Christentum aussprechen will, auf keinen Fall, aber in Brida findet all das auf eine Weise zusammen, die für mich irgendwie nicht überzeugend gewesen ist. Streckenweise fand ich es sogar regelrecht albern, wie eine 21-jährige Studentin sich da besonders und aufregend fühlt, weil sie mit einem alten Magier durch den Wald läuft und in einem Pub betrinkt, weil das ja alles eine ganz krasse Erfahrung ist…

Das Beste, was ich über das Buch sagen kann, ist wahrscheinlich, dass es sich wunderbar lesen lässt. Wenn es sprachlich und stilistisch nicht so gefällig gewesen wäre, dann hätte ich es vermutlich früher oder später abgebrochen, weil es inhaltlich irgendwie auf der Stelle getreten ist, aber so habe ich mich nicht damit gequält. Leider gehe ich davon aus, dass ich in ein paar Monaten vergessen habe, worum es eigentlich ging… aber vielleicht ist das auch gut, dann bin ich nächstes oder übernächstes Jahr bereit für einen weiteren Roman für Coelho – und vielleicht habe ich diesmal mehr Glück. Vielleicht suche ich da auch etwas gezielter nach einem Werk, das Veronika beschließt zu sterben ähnelt.

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