Sabotage

Alfred Hitchcock: „Sabotage“ (1936)

So viel Zeit daheim zu verbringen… das macht schon was mit mir. Und nachdem ich einige tolle Blogs über Filme entdeckt habe, war mir irgendwie danach, meinen eigenen Blog zu erweitern. Leselisten… ja, hier sollte es ursprünglich nur um Bücher gehen, aber warum denn eigentlich? Ich gucke ebenso gerne Filme und Serien wie ich lese – und wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich den Rest meines Lebens nur noch Bücher lesen oder nur noch Filme anschauen kann, dann wäre das keine Entscheidung, die ich spontan treffen könnte!

In den letzten Tagen, als das Wetter dann mal etwas schlechter gewesen ist, habe ich die Mediathek des Senders arte wieder für mich entdeckt. Seit Wochen gucken mich die herrlichen Schwarz-Weiß-Schinken dort schon an und zuletzt bin ich endlich dazu gekommen, mich etwas in das Frühwerk von Alfred Hitchcock reinzufinden…

Sabotage ist ein Film, der keine Minute zu lang ist. (Das wäre bei 74 Minuten aber auch ein starkes Stück, wenn man ehrlich ist.) In der ersten Szene wird ein  – wenn man die Entstehungszeit bedenkt – sehr imposanter Stromausfall inszeniert. London verschwindet in der Finsternis. Der Besitzer eines Kinos, das besser laufen könnte, kommt nach Hause, legt sich eine Tageszeitung aufs Gesicht, stellt sich schlafend und tut so, als wäre er nie weggewesen. Ein junger Mann, der gegenüber von dem Kino an einem Stand Obst und Gemüse verkauft, beobachtet dieses merkwürdige Verhalten. Und viel mehr kann man schon gar nicht erzählen, ohne nicht etwas zu verraten.

Die Spezialeffekte des Films sind… nicht von schlechten Eltern. Die Verkehrsmittel einer Großstadt in den 30er-Jahren zu sehen ist grandios. Offene Busse und Straßenbahnen, die so langsam fahren, dass man darauf springen kann? Unabhängig von Haltestellen? Ein Traum. Der Einblick in die Technik der alten Tage des Kinos ist außerdem für mich – als jemand, der weiß, wie es in heutigen Kinos hinter den Kulissen aussieht – hochspannend gewesen. Filmrollen, mit denen man nicht Bus fahren darf, weil es so brandgefährlich ist? Leinwände, hinter denen man stehen kann? Ein Traum.

Was man Sabotage außerdem schon anmerken kann, ist Hitchcocks Neigung zur Psychologisierung seiner Figuren. Was zum Beispiel etwas später im Jahr 1945 bei Ich kämpfe um dich (Originaltitel: Spellbound) in ganze Traumlogik-Sequenzen ausartet, sind hier nur kleine Szenen, in denen man einen subtilen Einblick in die Psyche der weiblichen Hauptfigur bekommt. Der gute Sigmund lässt grüßen!

Um vielleicht doch noch einmal einen kleinen Schwenk in Richtung der guten alten Literatur zu machen: Der Film basiert auf einem Roman von Joseph Conrad, dessen Titel schon wieder ein bisschen zu viel preisgibt – doch wenn der Film das in den ersten Minuten kann, dann kann ich den Titel hier wohl auch nennen: The Secret Agent.

Info: In der arte-Mediathek ist der Film noch bis zum Ende des Monats Mai kostenlos und ohne Anmeldung abzurufen. Das ist jetzt keine Werbung für arte… wobei doch, es ist Werbung für arte. Unbezahlt und mit voller Überzeugung!

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