Erkenne dich selbst – Geschichte der Philosophie #1

„Erkenne die Welt – Geschichte der Philosophie Band 1“ von Richard David Precht (2015)

Richard David Precht ist vielleicht einer der Philosophen der Gegenwart, die man irgendwie dem Namen nach kennt. Seine Bücher schaffen es auf Bestsellerlisten, schwere Themen werden so aufbereitet, dass man auch ohne ein Philosophiestudium irgendwie etwas damit anfangen kann. So die allgemeine Meinung. Ich bin in der Oberstufe an Wer bin ich – und  wenn ja, wie viele? recht kläglich gescheitert. Ich hab immer mal wieder reingelesen, nicht so richtig den Anschluss gefunden und das Buch bei Seite gelegt.

Im Jahr 2015 war ich dann plötzlich ein naives Erstsemester, das sich dachte, Philosophie als Begleitfach studieren, das kann man ja mal machen! Das tut ja keinem weh. (Spoiler: Und wie das wehtun kann, die Geschichte hat zwar ein happy end gehabt, aber es gab doch ein paar sehr dunkle Episoden!) Und weil mein erstes Modul in diesem Studium „Philosophiegeschichte“ war, hab ich mal ganz euphorisch meinen zweiten Precht gekauft. Eine Geschichte der Philosophie, nicht überkompliziert geschrieben, ganz frisch aus dem Druck, auf drei Bände ausgelegt, schöner Einband – das wird schon Freude machen. Ja… soweit meine Gedanken, als ich mir das Buch zu Weihnachten gewünscht habe. Etwa fünf Jahre später habe ich das Buch dann tatsächlich ausgelesen. Den ersten Band, versteht sich. Bei Band 2 habe ich heute Morgen mal das Vorwort betrachtet. Band 3 schaffe ich mir in diesem Leben sicher auch noch an, ich kenne mich doch. Wenn ich Wertzersetzung betreibe, dann mit Konsequenz.

Das klingt nun alles arg negativ, aber tatsächlich ist es ein ziemlich tolles Buch. Prechts Stil ist angenehm zu lesen, die Formulierungen und Beispiele sind einleuchtend, der Humor ist auf dem Punkt und wenn man schon  so überambitioniert Weltgeschichte lesen will, dann doch am Besten in Anekdoten. Es hat sich ein bisschen so angefühlt, als würde man ein Doku gucken. Dass ich diese Doku zwischendurch mal für ein oder zwei Jahre unterbrochen habe, ehe ich dann vor ein paar Tagen entschieden habe, dass ich das jetzt diszipliniert zu Ende bringe… darüber reden wir jetzt besser nicht. In gewisser Weise spricht es sogar für das Buch, dass ich mich nach einer so langen Unterbrechung so problemlos wieder einfinden konnte.

Obwohl ich noch nie so lange an einem einzigen Buch geknabbert habe, ohne dabei je wirklich den Punkt zu erreichen, an dem ich bewusst kapituliere und mich dagegen entscheide, jemals weiterzulesen, war es eine gute Leseerfahrung. Mit jedem Kapitel hatte ich das Gefühl, mich etwas besser einzufinden und zu orientieren – allerdings möchte ich mutig behaupten, dass das Philosophiestudium mir schon geholfen hat. So ganz ohne Grundlagen sind nämlich auch Prechts Ausführungen ein ziemlicher Brocken… außer man ist geneigt, alles hinzunehmen und nicht einmal zur Google-Maschine zu greifen.

Inhaltlich kann ich nun schlecht etwas über das Buch sagen… was ich jedoch spannend finde, ist die stetige Reflexion. Precht verfasst eine Philosophiegeschichte – und weist dabei immer wieder auf Menschen hin, die vor zweitausend Jahren – oder vor noch längerer Zeit – dasselbe getan haben. Und vergessen sind. Oder überholt. Oder die sich von Anfang an geirrt haben. Die etwas missverstanden haben, weil irgendwelche Texte erst später wiederentdeckt wurden – oder sich als Fälschungen erwiesen haben. Und in dem Wissen, dass man vielleicht eines Tages einfach nur irgendwo eine liebevoll Randnotiz ist, weil man zu einer Zeit gelebt hat, in der es grundlegende „Denkfehler“ gab, ein auf über 1.500 Seiten ausgebreitetes Werk anzugehen…das nenne ich Sportsgeist.

Im ersten Band wurden Antike und Mittelalter abgefrühstückt – also schon mal rund zweitausend Jahre Menschheitsgeschichte, von 500 vor Christus bis 1500 nach Christus. So in etwa. Band 2 widmet sich der sogenannten Neuzeit… und ich sage mal vorsichtig optimistisch, ich melde mich da spätestens 2025…

Zum Foto: Eine Originalaufnahme vom naiven Erstsemesster vorgenommen.

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