Die Zeitmaschine

„Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells (1895)

Diese Rezension würde ebenso gut in die Kategorie „Klassiker“ passen, denn nichts anderes ist Die Zeitmaschine von H.G. Wells, aber für den Moment habe ich beschlossen, meine Kategorien auszubauen und ein bisschen spezifischer zu sortieren.

Die Zeitmaschine ist eines dieser Bücher, das ich mir irgendwann mal zugelegt habe, weil ich das Gefühl hatte, das sollte man doch irgendwie im Haus haben. Bis vorgestern stand es schändlich lange in meinem Regal und wurde von mir kaum beachtet, obwohl ich mir – einer merkwürdigen Eingebung folgend – noch mehr Romane des Autors gekauft und ebenfalls nicht gelesen habe. Aber ich kaufe Bücher ja nicht, um sie zu sammeln, sondern weil ich optimistisch bin und immer denke, dass ich das irgendwann schon alles Mal lesen werde. Und in diesem Fall beglückwünsche ich mein Vergangenheits-Ich sehr zu dieser Kaufentscheidung.

Worum es in Die Zeitmaschine geht ist schnell erzählt – man muss ja eigentlich nur auf den Titel gucken. Was den Roman so lesenswert und zu einem – Vorsicht Anglizismus – pageturner macht ist die gewaltige Vorstellungskraft des Autors. Wie sieht die Welt in rund 6.000 Jahren aus? Oder in ein paar Millionen Jahren? Was ist zu diesem Zeitpunkt aus der Menschheit geworden, die man offenbar schon vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts und all seinen Katastrophen (Weltkriege… Atomkriege… ich muss das nicht auflisten, denke ich) für eine Lebensform gehalten hat, die sich potenziell selbst abschaffen könnte. Zu verraten wie H.G. Wells sich die Zukunft der Menschheit ausgemalt hat, würde zu viel von dem Inhalt des Romans vorwegnehmen, deswegen werfe ich hier nur einige Fragen in den Raum, über die man sich vor dem Lesen mal Gedanken machen könnte: Was passiert, wenn es uns zu gut geht? Was geschieht mit dem Menschen, wenn er nichts mehr für sein Überleben tun muss? Was kommt nach dem Fortschritt? Leben wir in einer Klassengesellschaft? Glauben wir wirklich, dass alle Menschen gleich sind? Gibt es zwei Arten von Menschen? Und wie ist das eigentlich mit dem Aussterben der Arten – werden wir alle Vegetarier, falls der Mensch sämtliche Nutztierarten überleben sollte? (Ich weiß zwar nicht, warum gerade der Mensch so widerstands- und anpassungsfähig sein sollte, aber man weiß ja nie.)

Obwohl ich die leise Vermutung habe, dass Die Zeitmaschine im Original sehr lesenswert gewesen wäre, hat mich schon die deutsche Übersetzung ziemlich von den Socken gehauen. Ich kann jetzt schon nicht mehr sagen, ob ich die Sprache wirklich so beeindruckend fand oder ob es einfach die Größe und die Macht der Ideen war, die dafür gesorgt haben, dass mein Vorstellungsvermögen beim Lesen auf Hochtouren lief.

Nun befinde ich mich in der paradoxen Situation, dass ich mir wünsche, es gäbe eine richtig gute, richtig krasse Verfilmung des Romans – und gleichzeitig hoffe, dass sich niemals jemand an diesem Stoff versucht hat. Spoiler: Als ich gerade bei Google nach dem Erscheinungsjahr gesucht habe, das in meiner Ausgabe aus irgendeinem Grund nicht drin steht, habe ich bereits entdeckt, dass es zumindest eine Verfilmung von 1960 gibt… das kann eigentlich gar nichts geworden sein… aber womöglich wird mein Zukunfts-Ich eines Besseren belehrt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s