Mary Pickfords Locken

„Mary Pickfords Locken – Eine Etüde über Bindung“ von Stefan Ripplinger (2014)

Filmliteratur – „Filit“ –   ist eine spezifische Angelegenheit und ich kann mir gut vorstellen, dass damit deutlich weniger Leser etwas anfangen können als mit Sebastian Fitzek oder Kerstin Gier. Eigentlich ist es sogar ein Fakt, dass damit weniger Leser etwas anfangen können: Die Verkaufszahlen sprechen da für sich. Trotzdem möchte ich den virtuellen Platz hier nutzen, um mich über „Mary Pickfords Locken“ auszulassen, weil ich mich von diesem dünnen Buch wirklich bereichert fühle.  

Mary Pickford ist eine der wichtigsten Schauspielerinnen des jungen Hollywoods. In den ersten dreißig Jahren des 20. Jahrhunderts ist sie auf der Leinwand omnipräsent im besten Sinne. Das (oder der?) Langessay widmet sich der Faszination, die von Mary Pickford ausgeht, dem Ur-America’s Sweetheart. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf Pickfords „trademark“, ihren Locken, die in den Goldenen Zwanzigern längst aus der Mode gekommen und somit ein Alleinstellungsmerkmal waren. Das Buch hangelt sich dabei an Pickfords Filmographie entlang, geht von Anekdote zu Anekdote, bespricht Rollen der Schauspielerin, typische ästhetische und dramatische Muster ihrer Werke und betrachtet Pickford nicht nur als Mimin, sondern als Gesamtkünstlerin. Die Bedeutung von Haaren und Frisuren in den jungen Jahren des Kinos wird quasi nebenher schön aufgefächert und erläutert.

Die Szene, mit der das Buch beginnt, schildert Pickfords Besuch in einem New Yorker Friseursalon im Sommer 1928. Die Locken von Mary Pickford werden abgeschnitten. Ihre Karriere ist ganz plötzlich an ihrem Ende angelangt, neue Gesichter, neue Stars warten und werden vom Publikum erwartet – und doch ist Pickford fast hundert Jahre später anders als viele ihrer Zeitgenossinnen nicht ganz vergessen. Wie kann das sein? Was ist die Faszination?

Inhaltliche konnte ich mit dem Essay, der „Etüde über Bindung“, wirklich viel anfangen. An dem Satzbau des Autors habe ich mich an einigen Stellen gestört, aber ich schiebe das ein bisschen darauf, dass ich den Text eher wie einen Sekundärtext für die Uni gelesen habe und weniger wie pure Freizeitlektüre. Und in diesem Lesemodus bin ich deutlich weniger toleranter, wenn es um Grammatik und Satzbau geht. (Nur zum Verständnis: Es sind natürlich keine grammatikalischen Fehler in dem Buch, einige Sätze sind bei mir einfach angeeckt. Und das passiert mir selten. Deswegen erwähne ich es.)

Ein besonders schönes Detail sind die ergänzenden Photographien, die Pickford in unterschiedlichen Rollen und Altersstufen, an Filmsets und privat zeigen. Ein kleines, aber feines Buch, das  in der Reihe „Filit – Filmliteratur“ im Verbrecher Verlag erschienen ist, die mir bestimmt noch viel Freude machen wird.

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