Things Fall Apart

„Things Fall Apart“ von Chinua Achebe (1958)

In gewisser Weise ist „Things Fall Apart“ ein ganz typischer Roman von Aufstieg und Fall. Okonkwo strebt danach ein ehrenwertes Leben zu führen, einer der mächtigsten und gefürchtetsten Männer seines Dorfes zu werden, seine Familien zu ernähren und seine Kinder zu Männern zu erziehen, auf die er stolz sein kann. Im ersten Teil des Buches wird der Leser langsam und detailliert mit den Traditionen und der Geschichte des Dorfes bekannt gemacht, Rituale wie Hochzeiten, Kämpfe und die Erntefeste werden mit Anekdoten verbunden und durchlebt. Bei einer Beerdigungszeremonie kommt es zu der heftigen Wende: Okonkwo tötet bei einem Ritual, das Waffen beinhaltet, unabsichtlich einen der Söhne des Verstorbenen. Und wenn ein Mann ohne Grund und ohne Absicht einen anderen Mann des Dorfes tötet, dann ist eine siebenjährige Verbannung die Konsequenz.

Okonkwo verliert sein Land und seine Häuser, mit seinen Frauen und einem Großteil seiner Kinder siedelt er um in sein „Mutterland“ und schmiedet dort sieben Jahre lang Pläne für die  glorreiche Rückkehr in sein Dorf. Obwohl er kein junger Mann mehr ist und sich seinen Ruf bereits verdient hat, ist er bereit noch einmal ganz unten anzufangen um wieder ein anerkannter Teil der alten Gemeinschaft zu werden. Doch als Okonkwo in sein Dorf zurückkehrt, haben sich die Dinge verändert. In dem Dorf wurde eine Kirche gebaut, Männer mit weißer Haut bekehren die Dorfbewohner zu ihrem Glauben an den einen, wahren Gott, bauen ihre Regierung auf und richten den Handelsverkehr mit anderen Dörfern und Ländern ein. Für einen Mann wie Okonkwo, der an die Ideale einer scheinbar vergangenen Zeit glaubt, ist die Lage aussichtslos.

Read it or eat it?

„Things Fall Apart“ ist der Debütroman von Achebe und gilt als der weltweit am meisten gelesene Roman eines afrikanischen Autors. Achebe ist Lektüre an Schulen und Universitäten und ein Hauptvertreter der post-kolonialen Literatur. Aber auch abgesehen davon, dass dieses Buch wie eines daher kommt, das man auf jeden Fall gelesen haben muss, ist „Things Fall Apart“ einen Leseversuch allemal wert. Die Sprache ist gespickt mit indigenen Vokabeln, die Figurenkonstellation ist opulent und trotzdem ist der Roman bei allen Details und aller Nebenhandlung sehr deutlich. Man muss nicht besonders viel von Kolonialgeschichte oder afrikanischer Geschichte verstehen, um einen Einstieg in das Buch zu finden, denn das Buch ist ein Einstieg. Simpel, drastisch und zugänglich – wobei gerade diese Zugänglichkeit vermutlich eine Voraussetzung ist, um das am meisten gelesene literarische Werk eines ganzen Kontinents zu sein.

Wer „Things Fall Apart“ mag, findet vielleicht auch Gefallen an:

  • „The Heart of Redness“ von Zakes Mda. Wesentlich komplexer und weniger eindeutig in seiner „Message“ – aber für Leser, die sich mit Post-Kolonialer Literatur etwas intensiver beschäftigen wollen oder bereits beschäftigt haben, ein kleiner Tipp.
  • „Boyhood“ und „Summertime“ von J.M. Coetzee. Coetzees autobiografisch gefärbte Romane legen den Fokus beide nicht auf die Hochzeit der Kolonisation und des Imperialismus um und vor 1900, sondern spielen sich vor dem Hintergrund der Apartheid ab. Während Boyhood aus dem Leben eines Kindes erzählt, gewährt „Summertime“ Einblick in das Leben eines 30-jährigen Schriftstellers vor seinem ersten Erfolg.

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