Pretty Little Liars #1

„Pretty Little Liars – Unschuldig“ von Sara Shepard (2006)

Mit der Serie „Pretty Little Liars“ verbindet mich eine kleine Hassliebe – ich kann aus dem Stehgreif gleich mehrere Dinge nennen, die ich daran einfach nur furchtbar fand (zu lang, zu verworren, zu viele Familiengeheimnisse, zu viele merkwürdige Auflösungen, die keine waren … zu viele schwarze Kapuzenpullover, chrm), aber nichtsdestotrotz habe ich die Serie bis zum Ende angesehen. Sieben Staffeln. Pro Staffel immer rund 20 Folgen. Jede Folge gestreckt auf 40-45 Minuten. Das ist nicht unbedingt wenig Lebenszeit, aber ich bin irgendwie trotz allem gut unterhalten gewesen (und ich wollte wissen wie es ausgeht, den Wikipedia-Artikel zu lesen wäre viel zu einfach gewesen) … also warum nicht noch ein bisschen mehr Lebenszeit an Aria, Emily, Spencer und Hanna verschwenden? Warum nicht die Romanvorlage lesen? Auch wenn ich weiß wie es ausgeht. (Das habe ich dann leider doch auf Wikipedia gelesen und obwohl das über ein Jahr her ist, hat sich des Rätsels Lösung in mein Gehirn eingebrannt, während ich schon nicht mehr weiß, was ich vorgestern gegessen habe. Toll wie die Neuronen da oben funktionieren.)

Also worum geht es?

Die Geschichte beginnt damit, dass Alison DiLaurentis spurlos verschwindet. Alison ist das Zentrum einer Clique von verwöhnten Siebtklässlerinnen, die in der fiktiven Kleinstadt Rosewood in der Nähe von Philadelphia leben und in der hochschicken Vorstadt zu viel trinken, zu viel rauchen und überhaupt zu viele Dinge heimlich tun. Als Alison verschwindet, verschwindet auch die Person, die alle Geheimnisse zu kennen scheint – und selbst obendrein einen ganzen Geschenkkorb mit ihren eigenen Intrigen füllen könnte. Die vier Freundinnen, die übrig bleiben – die eben bereits namentlich genannten Grazien: Aria, Emily, Spencer und Hanna – leben sich nach und nach auseinander. Aus der immer schon leistungsorientierten Spencer wird eine überorganisierte, alleskönnende Vize-Schulsprecherin, aus der pummeligen Hanna wird das neue It-Girl der Schule, während Emily sich auf ihre halbherzigen „Leidenschaft“, das Schwimmen, fokussiert und Aria mit ihrer Familie nach Island gezogen ist. Drei Jahre nach Alisons verschwinden kehrt auch Aria nach Rosewood zurück und schon bald haben die vier so unterschiedlichen Mädchen eine Gemeinsamkeit: sie werden erpresst. Bedrohliche SMS und Mails erreichen sie, jemand scheint all ihre alten und neuen Geheimnisse zu kennen… die Nachrichten sind unterzeichnet mit einem schlichten A. – ein Buchstabe, den alle Zuschauer der Serie irgendwann leidgeworden sind. Denn früher oder später wird sich alles um diese eine Frage drehen … wer ist A? Alison? Anonyma?

Read it or eat it?

Der erste Band der „Pretty Little Liars“-Reihe entspricht ziemlich genau der ersten Folge der Serie, wer also den Anfang der Show vielversprechend fand, könnte hier durchaus glücklich werden … aber man muss nicht mit Überraschungen rechnen. Erstmal. Für all jene Leser, die sich von der Serie ferngehalten haben, gibt es zunächst ein paar saftige Klatscher in Sachen Jugendsprache der 2000er … in deutscher Übersetzung. Ganz schön gruselig. Einige Stichworte zur Kostprobe: „Tusnelda“, „Nulpe“, „leckerer Freund“, „Treo“. Wer jetzt schon irgendwas nachschlagen musste, wird sich am ersten Band die Zähne ausbeißen … oder sich totlachen. Die Übersetzung der deutschen Erstaufgabe ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ganz ohne Fremdscham lässt sich der Spaß nicht lesen, aber es ist eben trotzdem ein Spaß. Falls man sich an oberflächlichen, klischeeverhangenen, pseudo-mystery, hyperamerikanischen Jugendromanen mit explizit weiblichem Zielpublikum erfreuen kann. Und ich kann das. Aber so was von.

Mir persönlich hat es außerdem viel Freude gemacht zu sehen wie typische Motive aus „klassischen“ Romanen und „Blockbustern“ verwendet werden: Die Handlungsstränge werden zum Großteil durch das Verschwinden oder Auftauchen bestimmter Personen eingeleitet. Der anonyme Erzähler beziehungsweise die anonyme Erzählerin, A., der beziehungsweise die am Anfang und am Ende des Buches zu Wort kommt. Die Fassade einer heilen amerikanischen Vorstadt. Die typischen Krisen von Teenie-Mädchen. Die überzeichneten Abgründe von Teenie-Mädchen. Das Rad wurde hier wirklich nicht neu erfunden, aber es dreht sich trotzdem ganz fröhlich.

Stilistisch ist der Auftakt der Reihe wirklich nicht allzu anspruchsvoll und das Vokabular der deutschen Übersetzung ist nichts für Leser mit einem empfindlichen Sprachgefühl. Die Figuren sind nicht zu simpel, aber auch nicht so komplex wie sie sich darstellen wollen. Es werden mehrere Handlungsstränge nebeneinander her gesponnen, die sich wenigstens im ersten Band noch nicht richtig ineinander gefügt haben … aber mal ehrlich, am Ende des Tages wollen wir doch alle nur wissen, wer A. ist, oder? (Nur ein Scherz. Es gibt so viel mehr da rauszuholen. Ich lebe für den Trash-Faktor.)

Keine uneingeschränkte Leseempfehlung … aber für Fans der Serie und Freunde der leichten Unterhaltung ist „Pretty Little Liars“ sicherlich nicht der schlechteste Lesestoff. Ich für meinen Teil werde weiterlesen und womöglich noch einmal eine allumfassende Rezension schreiben, wenn ich am Ende der Buchreihe angelangt bin.

Wer „Pretty Little Liars – Unschuldig“ mag, der liest vielleicht auch gerne:

  • Die „Gossip-Girl“-Romane von Cecily von Ziegesar. Ähnlicher Unterhaltungsfaktor. Ähnliches sprachliches Niveau. Ähnliche Fremdschäm-Momente. Identische Zielgruppe. (Here I am.)
  • „Nur eine Liste“ von Siobhan Vivian. Acht Mädchen mit acht Geheimnissen. Eine Liste jenseits von Gut und Böse. (Stichwort Hot or Not). Und eine Krone für die (Prom-)Königin.
  • „Von wegen Liebe“ von Kody Keplinger. Weniger Intrigen. Weniger Pseudo-Mystery-Momente. Aber dasselbe High-School-Feeling.
  • Und für alle, die den ultimativen Abgrund suchen: „Tagebuch eines Vampirs“/ „The Vampire Diaries“ von Lisa J. Smith. Auf dem Niveau, das diese Serie gegen Ende aller Staffeln erreicht, als allen die Ideen ausgegangen sind, startet die Buchvorlage ab dem zweiten Band. Es ist ein Fest. Ich habe bei Band 5 kapituliert. So viel zum Thema Leidensfähigkeit.

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