You – Du wirst mich lieben

„You – Du wirst mich lieben“ von Caroline Kepnes (2015)

Eigentlich lese ich immer zuerst das Buch, ehe ich mir die Verfilmung anschaue, aber im Fall von „You – Du wirst mich lieben“ bin ich wirklich erst durch die Serie auf den Roman aufmerksam geworden. Und als ich gesehen habe, dass es schon einen zweiten Band gibt, während ich auf die zweite Staffel der Serie noch mindestens ein Jahr warten muss, gab es kein Halten mehr.

Worum geht es?

Joe Goldberg ist ein typischer New Yorker Buchhändler: er ist zynisch, er verurteilt die Käufe seiner Kunden und er weiß, dass die Kasse nur dann klingelt, wenn Stephen King einen neuen Bestseller veröffentlicht hat. Eine Universität hat Joe nie besucht und er verachtet Studenten, die keine echten Bücher mehr lesen, sondern Home-Soda-Firmen vom Geld ihrer Eltern gründen und Mädchen, die Salinger mit Nachnahmen heißen, sehr empfindlich sind und ihre beste Freundin wie sexualisierte Schoßhündchen behandeln. Genau diese beiden Hassobjekte sind der der „Freund“ und die beste Freundin von Guinevere Beck. Beck nennt sich eine Schriftstellerin, obwohl sie quasi nie schreibt, weil sie zu beschäftigt damit ist in der New Yorker Oberschicht zu bestehen, ihren Vaterkomplex mit Hilfe eines Therapeuten (der natürlich gar kein sexuelles Interesse an ihr hat, nicht doch) in den Griff zu kriegen und einfach „Autorin zu sein“. Beck ist die Hölle, aber das weiß Joe nicht, als sie zum ersten Mal in seinem Buchladen auftaucht und über seine Witze lacht. Joe verliebt sich und ist von Beck besessen, obwohl er immer wieder erkennt, dass sie belügt, betrügt und eine Person sein will, die sie nicht ist. Um Beck für sich zu haben und sie von allem zu befreien, was sie daran hindert so wundervoll zu sein wie sie seiner Meinung nach sein könnte, ist Joe bereit zu drastischen Mitteln zu greifen.

Read it?

Der Roman zeigt mit dem Finger auf die Schwächen der Generation, die gerade zwischen 20 und 30 ist, Instagram für das Maß aller Dinge hält und deshalb Fotos von ihrem Essen macht, anstatt es zu essen oder wenigstens erst abends darüber im Ernährungstagebuch zu schreiben. Es ist eine bösartige Sozialstudie bei der keiner so richtig gut wegkommt. Beck ist keine Traumfrau, Joe ist kein Sympathieträger und auch wenn man manchmal mit Joe lachen kann, verzweifelt man manchmal regelrecht an seinen Gedanken und seiner Sicht auf die Welt. Auch wenn für mich schon nach ein paar Seiten klar war, dass ich seine Faszination für Beck absolut nicht nachvollziehen kann, war es trotzdem seltsam mitreißend zu lesen wie Joe sich in seine Wunschträume reinsteigert und sich die Dinge zurechtlegt.

Wer „You – Du wirst mich lieben“ mag, liest vielleicht auch gerne:

  • die Gossip-Girl-Romane von Cecily von Ziegesar. Nicht nur, weil Joe in der Serie von einem der Hauptcharaktere aus der Show verkörpert wird, sondern weil Gemeinheit, Detailverliebtheit und Unterhaltsamkeit Hand in Hand gehen. Und weil eine Menge böses Blut fließt.
  • High Fidelity von Nick Hornby. Oder andere Bücher, in denen der eigenbrötlerisch-coole Verkäufer einer Buchhandlung/ eines Schallplattenladens/ einer Videothek/ etc. die Hauptfigur ist und von einem Mädchen besessen ist, das nicht so ist wie er dachte.
  • Voyeur von Simon Beckett oder Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith oder andere Geschichten über Besessene und Hochstapler, die sich ihre eigene Lebens- und Liebesgeschichten basteln.

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